Wiederaufnahmeverfahren Mollath will sich offenbar nicht erneut untersuchen lassen

Sieben Jahre lang saß Gustl Mollath wegen angeblicher Gemeingefährlichkeit in der Psychiatrie. Das Landgericht Regensburg will ihn nun im Zuge des Wiederaufnahmeverfahrens erneut untersuchen lassen - doch der 57-Jährige lehnt das offenbar ab und zieht ein Gutachten nach Aktenlage vor.

Gustl Mollath (August 2013): Wiederaufnahmeverfahren soll im Frühjahr beginnen
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Gustl Mollath (August 2013): Wiederaufnahmeverfahren soll im Frühjahr beginnen


Regensburg - Wegen des Wiederaufnahmeverfahrens am Landgericht Regensburg soll der Psychiater Norbert Nedopil die Schuldfähigkeit von Gustl Mollath erneut prüfen. Gerichtssprecher Johann Piendl bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Nürnberger Nachrichten". Das Wiederaufnahmeverfahren soll voraussichtlich im Frühjahr beginnen.

Die zuständige 6. Strafkammer habe die Bestellung des Gutachters unter anderem mit der Vorgeschichte des Falls begründet, sagte Piendl. Es wäre verfahrensrechtlich unangemessen, wenn das Gericht in einem solchen Fall kein Gutachten in Auftrag geben würde.

Mollath saß seit 2006 in der Psychiatrie, weil er seine Frau misshandelt und Autoreifen zerstochen haben soll. Im August ordnete das Oberlandesgericht Nürnberg die Wiederaufnahme des Strafverfahrens an, Mollath kam frei. Er selbst sieht sich als Opfer eines Komplotts seiner Ex-Frau und der Justiz, weil er Schwarzgeldgeschäfte bei der HypoVereinsbank aufgedeckt hatte.

Laut Piendl werde der Gutachter das direkte Gespräch mit Mollath suchen. Sollte dieser ablehnen, werde auch Nedopil nach Aktenlage entscheiden müssen. "Das können dann neben früheren Erkenntnissen auch Arztbriefe und andere verwertbare Dokumente sein", sagte Piendl.

"Werde mich ihm nicht ausliefern"

Tatsächlich ließ Mollath im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk bereits durchblicken, dass er kein Interesse an einer Untersuchung durch Nedopil hat. "Ich werde mich ihm nicht ausliefern", sagte Mollath dem BR-Politikmagazin "Kontrovers". Er ziehe ein Gutachten nach Aktenlage vor, hieß es laut Vorabmeldung des Senders. "Ich habe keinerlei Probleme damit, dass dabei etwas Ungünstiges für mich herauskommen könnte", wird Mollath zitiert.

"Die Hoffnung ist, dass eine große Zeugeneinvernahme stattfindet, und die Staatsanwaltschaft objektiv ermittelt", so Mollath. "Und zwar nicht nur gegen mich, sondern objektiv in alle Richtungen." Er sei allerdings skeptisch, ob dies so kommen werde.

wit/hut/dpa

insgesamt 52 Beiträge
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burghard42 12.12.2013
1. Da
bin ich aber gespannt,wie die Verteidiger/Anwälte Herrn Mollath beraten bzw. sich Mollath entscheidet.
micha.w 12.12.2013
2. Schade,
dass keiner eine Einweisung ohne Möglichkeit einer schnellen Wiederaufnahme gegen alle daran beteiligten Staatsdiener und Gutachter erwirken kann!!
friedberta 12.12.2013
3. Um wen geht es denn jetzt ?
Mir scheint es geht weniger um Herrn Mollath als vielmehr die Reinwaschung der Justiz.
sitiwati 12.12.2013
4. was gibts
da zu überlegen-bleibt M seiner Linie treu. steht das Gericht samt Gutachter genau da , wie vor 2006, nur dass diesmal alle zuschaun werden
erich21 12.12.2013
5. Ein Bundeskommissar
waere viellecht eine Loesung fuer Bayern. Irgendwie hat man doch den Eindruck, dass im Freistaat ganz eigene Regeln gelten. Dort moechte ich jedefalls ebensowenig Kontakt mit Psychiatrie oder Justiz wie in Russland!
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