150 Menschen starben, die meisten waren Deutsche Frankreich stellt Verfahren nach Germanwings-Absturz ein

Sieben Jahre nach dem Germanwings-Absturz hat die Justiz in Marseille das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingestellt. Strafrechtlich bleibt das Unglück damit in Frankreich für viele einst Verdächtigte folgenlos.
Überrest der abgestürzten Maschine (Archivbild)

Überrest der abgestürzten Maschine (Archivbild)

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Sebastien Nogier/ dpa

In Deutschland stellte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ihre Untersuchungen zum Absturz der Germanwings-Maschine schon 2017 ein. Sieben Jahre nach dem Unglück in den Alpen hat nun auch die französische Justiz das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung ohne Anklageerhebung eingestellt.

Das Strafgericht in Marseille kam zu dem Ergebnis, niemand habe vorhersehen und verhindern können, dass Co-Pilot Andreas Lubitz den Airbus am 24. März 2015 absichtlich zum Absturz bringt und gegen einen Berg steuert, sagte die Sprecherin der Kammer für Massenunfälle. Alle 150 Menschen an Bord des Flugs von Barcelona nach Düsseldorf kamen ums Leben. Die meisten Opfer stammten aus Deutschland, viele davon aus Nordrhein-Westfalen.

In dem Verfahren hatten die Ermittler auch eine mögliche Verantwortung von Germanwings und der Konzernmutter Lufthansa klären wollen. Die Richter entschieden, dass der Straftatbestand der fahrlässigen Tötung weder gegen natürliche noch gegen juristische Personen erfüllt ist.

Airlines strafrechtlich nicht verantwortlich

Damit sprachen sie etwa die von dem Co-Piloten konsultierten Ärzte sowie die Geschäftsführer von Germanwings – heute Eurowings – und der Konzernmutter Lufthansa von jeglicher strafrechtlichen Verantwortung frei, das heißt von der Begehung eines möglichen Fehlers.

Für seine Entscheidung stützte sich das Gericht unter anderem auf einen Arzt, der als Inspektor für öffentliche Gesundheit tätig ist, und auf ein psychiatrisches Gutachten. Im Endergebnis sei die selbstmörderische Tat des Co-Piloten trotz seiner festgestellten psychischen Störungen nicht vorhersehbar gewesen, befanden die Richter. Bereits vor Jahren war auch ein Psychiater in Deutschland davon ausgegangen, Lubitz könnte an einer Angststörung gelitten haben.

Sein Arbeitgeber sei nicht über die Gründe seiner Arbeitsunterbrechungen informiert gewesen, entschied nun die Justiz in Marseille. Der Co-Pilot habe weder den flugmedizinischen Dienst noch Kollegen über seine Krankheit ins Bild gesetzt.

Neben der strafrechtlichen Aufarbeitung der Tat hatte es auch eine ganze Reihe zivilrechtlicher Verfahren gegeben, die vor allem auf die Zahlung von Schadensersatz gerichtet waren.

apr/dpa
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