Trauerfeier für Germanwings-Opfer "Uns fehlen die Worte für diese Tat"

Deutschland trauert: Beim Staatsakt im Kölner Dom für die Opfer der Germanwings-Katastrophe zeigt der Bundespräsident seine Fassungslosigkeit. Kardinal Woelki betont die Kraft der Liebe.

DPA

Mit einem ökumenischen Gottesdienst und einem Staatsakt im Kölner Dom hat Deutschland der Opfer des Flugzeugabsturzes in den französischen Alpen gedacht. An der Trauerfeier nahmen 1400 Gäste teil, darunter neben Bundespräsident Joachim Gauck auch Kanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert und die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

Beim Absturz der Germanwings-Maschine waren am 24. März alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Die Ermittler sind überzeugt davon, dass Co-Pilot Andreas Lubitz die Maschine mit Absicht gegen einen Felsen steuerte. Er litt unter psychischen Problemen.

Der Glaube an ein Leben nach dem Tod

Bundespräsident Gauck sagte: "Uns fehlen die Worte für diese Tat." Weder vor technischen Defekten noch vor menschlichem Versagen gebe es absolute Sicherheit - "und erst recht nicht vor menschlicher Schuld."

Zugleich versuchte er, Trost zu spenden. "Was uns aber dennoch Ja sagen lässt zu einem Leben, das von Bedrohung und Tod begleitet ist, ist die Tatsache, dass der Mensch zum Guten fähig ist." Gauck erinnerte daran, dass auch die Angehörigen von Lubitz einen Menschen verloren hätten.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wandte sich mit bewegenden Worten an die Hinterbliebenen. Die Liebe sei stärker als der Tod. Als Mensch, Christ und Erzbischof habe er keine Antwort auf "das schreckliche Unglück". Die Christen glaubten an das ewige Leben. "Wir glauben, dass diese 150 Menschen nicht verschwunden und ins Nichts gegangen sind, als sie aus der Welt geschieden sind."

Annette Kurschus, Präses der evangelischen Kirche in Westfalen, sagte in ihrer Predigt: "Familien, Häuser und Nachbarschaften, Schulen, Dörfer und Städte, ein ganzes Land, ja mehr als nur ein Land, rücken zusammen im Aushalten-Müssen und Begreifen-Wollen." Dennoch könnte kein Luftfahrtexperte oder Psychologe, keine Bischöfin und kein Kardinal eine Brücke schlagen "über den Abgrund, der aufgerissen ist".

Woelki, Kurschus und zwei Notfallseelsorger, die nach dem Unglück im Einsatz waren, überreichten stellvertretend Holzengel an mehrere Teilnehmer des Gottesdienstes, darunter Bundespräsident Gauck. Die Figuren lagen bei der Trauerfeier an jedem Platz. Sie sollten dazu ermutigen, trotz aller Trauer nach Quellen der Kraft und Bestärkung zu suchen.

Flaggen vor dem Reichstag auf Halbmast

In der Kölner Innenstadt galten umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen. Die Trauerfeier wurde auf eine Großleinwand auf dem Bahnhofsvorplatz neben dem Dom und in eine benachbarte Kirche übertragen.

An vielen Werbetafeln in der Stadt waren statt bunter Bilder schwarze Trauerschleifen zu sehen, darauf die Nummer des Unglücksflugs: 4U9525. Für ganz Deutschland war Trauerbeflaggung angeordnet. Vor dem Reichstag in Berlin wehten die Fahnen auf Halbmast.

Der Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa gedachte am Freitag mit ganzseitigen Anzeigen in großen Tageszeitungen der Opfer. "Wir trauern um unsere Passagiere und Kollegen, die am 24. März 2015 bei dem Flugzeugunglück der Germanwings in der Nähe von Seyne-les-Alpes ihr Leben verloren haben", heißt es. "Wir werden sie nie vergessen."

Angehörigen, Freunden und Kollegen der Verstorbenen gehöre das aufrichtige Mitgefühl der Lufthansa. "Wir werden Ihnen beistehen." Konzern-Chef Carsten Spohr hatte bereits bei einem Besuch der Unfallstelle langfristige Hilfen für die Hinterbliebenen zugesagt.

sms/dpa/AFP

insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Spiegelleserin57 17.04.2015
1. wie verzweifelt muss ein Mensch sein...
dass er sich das Leben nehmen will. Wie traurig auch dass dies niemand vorher erkannt hat! Furchtbar dass so viele Menschen sterben mussten... und man sollte bei dieser Trauer den 3000 Toten gedenken die letztes Jahr bei Verkehrsunfällen ums Leben kamen und die nicht in den Meiden erwähnt wurden. auch für sie sollte Platz für Trauer sein. Flugzeuge sich relativ sicher, sicherer noch als Autos wie man unschwer an den Zahlen erkennen kann. Jedes Opfer ist ein Opfer zu viel, daran sei auch dieser Stelle erinnert! Alle Angehörigen leiden unter dem Verlust und bedürfen Trost, auch die Eltern des Piloten!
Geziefer 17.04.2015
2. Bewegend - und verzichtbar.
Die "Choreo" des Trauergottesdienstes war bewegend. Auf die Zugabe der Politiker/in hätte gern verzichtet werden können. Die Kirche kann das besser.
dborrmann 17.04.2015
3. Am schlimmsten trifft es die Eltern
des Co-Piloten. Ich hoffe, dass sie in der Trauergemeinde gut aufgenommen wurden.
ekel-alfred 17.04.2015
4. Depression ist eine Krankheit
Zitat von Spiegelleserin57dass er sich das Leben nehmen will. Wie traurig auch dass dies niemand vorher erkannt hat! Furchtbar dass so viele Menschen sterben mussten... und man sollte bei dieser Trauer den 3000 Toten gedenken die letztes Jahr bei Verkehrsunfällen ums Leben kamen und die nicht in den Meiden erwähnt wurden. auch für sie sollte Platz für Trauer sein. Flugzeuge sich relativ sicher, sicherer noch als Autos wie man unschwer an den Zahlen erkennen kann. Jedes Opfer ist ein Opfer zu viel, daran sei auch dieser Stelle erinnert! Alle Angehörigen leiden unter dem Verlust und bedürfen Trost, auch die Eltern des Piloten!
Depression ist eine schwere Erkrankung und psychische Störung. Das hat mit Verzweiflung, wie wir sie alle kennen, nichts zu tun.
mondomigliore 17.04.2015
5.
Ein "Gottes"dienst? Wie absurd! Eine Trauerfeier wäre viel besser gewesen, oder trauerten sie nur die toten Christen bzw. Glottesgläubigen? Und wenn schon so ein staatsakt (warum denn eigentlich?), warum nicht auch trauern für die 400 Tote im Mittelmeer?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.