Geständnis im Grimm-Prozess "Ich wollte nur, dass er die Klappe hält"

Im Mordprozess um den Millionärssohn Andreas Sascha Grimm, dessen Leiche bis heute nicht gefunden wurde, hat der Angeklagte ein Teilgeständnis abgelegt. Er habe den Frankfurter Studenten erschossen, gab der 23-Jährige zu - er habe ihn aber nicht töten wollen.


Frankfurt am Main - In der verlesenen Aussage stritt der Angeklagte jede Tötungsabsicht ab. "Ich wollte ihn gar nicht erschießen. Ich wollte nur, dass er die Klappe hält", schilderte der Angeklagte seine Bluttat vom 15. Oktober vergangenen Jahres. Das Versteck der seitdem verschwundenen und immer wieder von der Polizei gesuchten Leiche Grimms nannte der Mann nicht.

Mutmaßlicher Grimm-Mörder: Motiv Habgier?
DDP

Mutmaßlicher Grimm-Mörder: Motiv Habgier?

Der 25 Jahre alte Grimm habe ihn in einem Streit um seine Freundin provoziert, hatte der Angeklagte dem Gerichtspsychiater erzählt, dessen Gutachten heute auszugsweise verlesen wurde. Grimm habe ihm nach einem gemeinsamen Kokainkonsum vorgeworfen, das Leben der 39-jährigen Frau zu zerstören. Dann habe er zu erkennen gegeben, dass er selbst mit ihr ein intimes Verhältnis habe. Der Vertrauensbruch der beiden habe ihn maßlos wütend gemacht.

"Ich habe die Pistole genommen und auf ihn gezielt. Aber er hat immer weiter gemacht", berichtete der Angeklagte. Im Streit habe sich aus der Waffe, die eigentlich der Freundin gehört habe, ein Schuss gelöst. Ihm sei nicht klar gewesen, dass die Pistole entsichert und durchgeladen gewesen sei. Bei früheren Vernehmungen hatte der Angeklagte widersprüchliche Angaben bemacht, einmal eine Tatbeteiligung eingeräumt, ein anderes Mal angegeben, zwei Dealer hätten Grimm umgebracht.

Bei einer Tötung im Affekt käme eine Verurteilung wegen Totschlages in Frage, während die Staatsanwaltschaft als Motiv Habgier und Eifersucht annimmt und daher eine Verurteilung wegen Mordes fordert. Der Täter soll auch 3000 Euro Bargeld des Opfers genommen und zudem versucht haben, dessen Luxusauto zu verkaufen. Grimm stammte aus einer mainfränkischen Textilunternehmerfamilie.

"Nett und lieb"

Gegenüber dem Psychiater stellte sich der 23-Jährige ohne Schulabschluss als verwöhntes Einzelkind dar. Mit seiner Mutter, einer international beschäftigten Maskenbildnerin beim Film, habe er seit früher Kindheit "eine Art Paar" gebildet, während der aus Jordanien stammende Vater sein eigenes Leben geführt habe. Bereits als Kind habe er sich häufig in Traum- und Phantasiewelten geflüchtet und sich zum Beispiel einen Spielkameraden erfunden.

Nach erfolglosem Besuch hessischer Gesamtschulen habe er ständig neue Pläne und Projekte verfolgt. Er sei permanent auf der Suche nach geeigneten Investoren gewesen sei, denen er "Glanz und Glamour auf Hollywood-Niveau" habe bieten müssen. Im Frankfurter Nachtleben sei er "von Stars und Sternchen umschwärmt" worden, behauptete der schmächtige Angeklagte. "Es wurde getrunken, es wurde Koks gezogen und das Geschäft zum Vergnügen gemacht." Während der gesamten Zeit wurde er von seiner Familie finanziell unterstützt.

Die frühere Freundin schilderte als Zeugin den Angeklagten als sehr ruhigen, angenehmen Menschen. "Zu mir war er sehr umsichtig, nett und lieb." Trotz des großen Altersunterschiedes habe sie sich die Frage nach einer eventuellen Überlegenheit nie gestellt, sagte die Diplom-Kauffrau. Sie bestätigte den Alkohol- und Kokainkonsum ihres Freundes. Sie hat drei Monate unter dem Verdacht der Beihilfe in Untersuchungshaft gesessen. Zwischenzeitlich ist das Ermittlungsverfahren gegen sie eingestellt worden.



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