Gestohlen gemeldeter Dienstwagen Deutsche verschoben Minister-Mercedes in die Ukraine 

Seit Monaten ist der ukrainische Justizminister Alexander Lawrinowitsch in einem schicken Mercedes unterwegs - das Auto hat nur ein Manko: Es ist in Deutschland als gestohlen gemeldet. Nach Informationen des SPIEGEL waren es die beiden Besitzer des Wagens selbst, die die Karosse in den Osten schmuggelten.

Ukrainischer Justizminister Lawrinowitsch: Geklauter Mercedes als Dienstwagen
AP

Ukrainischer Justizminister Lawrinowitsch: Geklauter Mercedes als Dienstwagen


Hamburg - Große schwarze deutsche Geländewagen sind für Politiker in der Ukraine ein Muss - so auch für Justizminister Alexander Lawrinowitsch. Als Dienstwagen nutzt er seit Monaten einen Mercedes GL 420. Nicht irgendeinen, sondern einen, der im Januar 2010 in Stuttgart als gestohlen gemeldet wurde, wie ein Parlamentarier von der regierenden Partei der Regionen in Kiew öffentlichmachte.

SPIEGEL-Informationen zufolge waren es die beiden Besitzer selbst, die den nahezu neuen Mercedes in die Ukraine schmuggelten. Es handelt sich um zwei Geschäftsführer einer Bauelemente-Firma im Breisgau.

Geschäftsführer sitzen in Haft

Ihnen diente das Luxusauto mit der Fahrgestellnummer WDC1648281A522903 als Geschäftswagen, der ursprünglich auf die Mercedes-Benz Leasing GmbH in Stuttgart zugelassen war. Anfang vergangenen Jahres meldeten die beiden Männer das Fahrzeug dann als gestohlen, was damals aber den Argwohn bei der Polizei weckte.

Die Beamten stellten fest, dass es sich bei den beiden Geschäftsführern der Firma um Auto-Schmuggler handelte: Sie hatten zahlreiche geleaste Luxusautos und Sattelschlepper in die Ukraine und nach Russland verschoben - darunter eben auch den Mercedes 420 GL. Inzwischen sitzen die Männer in Haft, sie wurden zu Strafen von fünf und neun Jahren verurteilt.

Vom Diebesgut zum Dienstwagen

Den Mercedes konfiszierten die ukrainischen Behörden an der Grenze. Doch statt ihn an die deutschen Behörden zu überführen, soll das Gericht der westukrainischen Stadt Uschgorod den Luxuswagen zum Staatsbesitz erklärt haben. Am 14. April 2011 registrierte die Verkehrspolizei den Mercedes dann als Eigentum des Justizministeriums.

Das ist in der Ukraine rechtlich möglich, weil die Regierung schon vor Jahren einen Erlass verfügte, dass der Staat konfiszierte, im Ausland gestohlene Autos verkaufen oder in seinen eigenen Fuhrpark überführen darf. Das gilt selbst dann, wenn die Fahrzeuge auf der Liste von Interpol stehen, so wie es bei dem Mercedes der Fall war. Justizminister Lawrinowitsch verstößt demnach also nicht gegen ukrainische Gesetze, wenn er das in Deutschland gestohlene Auto fährt.

heb

insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
friedenspfeife 11.12.2011
1. ////
Zitat von sysopSeit Monaten*ist der ukrainische Justizminister Alexander Lawrinowitsch in einem schicken Mercedes unterwegs - das Auto hat nur ein Manko: Es ist in Deutschland*als gestohlen gemeldet.*Nach Informationen des SPIEGEL waren es die beiden Besitzer des Wagens selbst, die*die Karosse*in den Osten schmuggelten. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,803038,00.html
Nicht nachvollziehbar diese Situation. Zum "Verschieben" benoetigt man eigentlich mehr als 2 Geschaeftsleute. Von "Schmuggel" kann man erst reden, wenn trotz 100iger Kontrolle an der Grenze die Ausfuhr gewaehrleistest wird. Das ein Minister in der Uk mit solch einem Fahrzeug rumgurkt ist auch nichst besonderes. Verstehe diese Aufmische nicht. Soll die Ukraine deshalb nicht in die NATO/EU?
Luscinia007 11.12.2011
2.
Zitat von sysopSeit Monaten*ist der ukrainische Justizminister Alexander Lawrinowitsch in einem schicken Mercedes unterwegs - das Auto hat nur ein Manko: Es ist in Deutschland*als gestohlen gemeldet.*Nach Informationen des SPIEGEL waren es die beiden Besitzer des Wagens selbst, die*die Karosse*in den Osten schmuggelten. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,803038,00.html
Andere Länder, andere Sitten. Das mit dem EU-Beitritt der Ukraine wird doch wohl von der Regierung der Urkraine nicht mehr ernsthaft verfolgt?
bissig 11.12.2011
3. ...
Blöde Frage: Was passiert, wenn Lawrinowitsch mit dem Mercedes nach Deutschland fährt? Wird der Wagen dann konfisziert? Und geht das überhaupt, oder gilt er als Diplomat und geniesst daher Immunität? Ansonsten kann ich nur feststellen, dass in der Ukraine ein seltsames Verständnis von Eigentum herrscht.
Benjowi 11.12.2011
4. Merkwürdigkeiten ohne Ende!
Zitat von sysopSeit Monaten*ist der ukrainische Justizminister Alexander Lawrinowitsch in einem schicken Mercedes unterwegs - das Auto hat nur ein Manko: Es ist in Deutschland*als gestohlen gemeldet.*Nach Informationen des SPIEGEL waren es die beiden Besitzer des Wagens selbst, die*die Karosse*in den Osten schmuggelten. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,803038,00.html
Es fällt mehr als schwer, so etwas als "normal" einzustufen. Wenn man das bösartig interpretiert, könnte man auf die Idee kommen, dass das alles auch nach einer Art "Auftragsvergabe" funktionieren könnte. Mit anderen Worten, die deutschen Versicherungen und damit die deutschen Verbraucher würden auf diese Art den ukrainischen Regierungs-Fuhrpark finanzieren. Ein Schelm wer Böses dabei denkt! Ein mehr als merkwürdiges Eigentumsverständnis offenbaren diese ukrainischen Gesetze nämlich ohne Frage und mit internationalen Normen haben sie sicherlich auch nichts zu tun!
SchneiderG 12.12.2011
5. .
Zitat von sysopSeit Monaten*ist der ukrainische Justizminister Alexander Lawrinowitsch in einem schicken Mercedes unterwegs - das Auto hat nur ein Manko: Es ist in Deutschland*als gestohlen gemeldet.*Nach Informationen des SPIEGEL waren es die beiden Besitzer des Wagens selbst, die*die Karosse*in den Osten schmuggelten. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,803038,00.html
Was mich an dem Artikel stört ist die Information über die Höhe der Haftdauer für die Diebe: Zitat: "Sie hatten zahlreiche geleaste Luxusautos und Sattelschlepper in die Ukraine und nach Russland verschoben - darunter eben auch den Mercedes 420 GL. Inzwischen sitzen die Männer in Haft, sie wurden zu Strafen von fünf und neun Jahren verurteilt." Als U-Bahnschläger bekommt man weniger. Also sind Fahrzeuge wertvoller und wichtiger als Menschenleben. Pervers sowas.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.