Getöteter Gastschüler Diren Verteidigung will Dutzende Zeugen hören

Der Hamburger Gastschüler Diren D. wurde in einer Garage im US-Bundesstaat Montana erschossen. In Kürze soll der Prozess wegen vorsätzlicher Tötung beginnen. Die Verteidigung will Notwehr nachweisen - und 68 Zeugen hören.

Trauer um Diren D. in Hamburg: Verteidigung plädiert auf "nicht schuldig"
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Trauer um Diren D. in Hamburg: Verteidigung plädiert auf "nicht schuldig"


Missoula - Am 27. April starb der Hamburger Gastschüler Diren D. in einer Garage in Missoula im US-Bundesstaat Montana. Zwar hat der wegen vorsätzlicher Tötung angeklagte Marcus K. zugegeben, den 17-Jährigen erschossen zu haben. Die Verteidigung plädiert aber auf "nicht schuldig" und wird versuchen nachzuweisen, dass ihr Mandant in Notwehr gehandelt hat.

K. soll durch vorausgegangene Einbrüche bereits extrem nervös gewesen und sich zum Tatzeitpunkt in einer Stresssituation befunden haben. Er habe angesichts eines Fremden in seiner Garage in Panik und blind gefeuert, ohne Tötungsabsicht. In Gerichtsdokumenten klingt das anders: Demnach soll der Angeklagte auf potenzielle Diebe geradezu gelauert und ihnen eine Falle gestellt haben.

Im Prozess wollen die Anwälte des 29-Jährigen Dutzende Zeugen aufbieten. 68 Menschen sollen sich zu den Tatumständen äußern. Laut Aussagen eines Freundes war Diren angeblich auf der Suche nach Alkohol, als er das Grundstück des Angeklagten betrat.

Allein von der Polizei in Missoula sollen Gerichtsdokumenten zufolge 21 Beamte als Zeugen geladen werden. Auch ein Schusswaffenexperte, ein Psychologe und ein "Experte für kulturelle Unterschiede" sollen vor Gericht aussagen.

In der Anhörung am heutigen Mittwoch soll ein Termin für den Prozessbeginn festgelegt werden. Ob der Angeklagte selbst vor Richter Ed McLean erscheint, war noch unklar. Er ist gegen eine Kaution in Höhe von 30.000 Dollar (22.000 Euro) auf freiem Fuß.

Eine Schlüsselfrage des Verfahrens ist die sogenannte "Castle Doctrine", wonach sich Bürger Montanas wie in etwa der Hälfte aller US-Bundesstaaten notfalls mit Waffengewalt verteidigen dürfen. Dieser Grundsatz rechtfertigt den Einsatz tödlicher Gewalt gegen Eindringlinge in Haus und Garten in den meisten Fällen, der Schütze muss sich aber ernsthaft bedroht fühlen.

ala/dpa

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