Morde, Bedrohungen, Nötigungen Gewalt in Partnerschaften - 81 Prozent der Opfer sind Frauen

Jeden Tag ein Tötungsversuch: Die Zahl der Übergriffe auf Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern ist gestiegen. Ministerin Giffey will nun reagieren - und sieht Probleme vor allem im ländlichen Raum.
Ministerin Franziska Giffey: Jeden Tag ein Tötungsversuch gegen eine Frau

Ministerin Franziska Giffey: Jeden Tag ein Tötungsversuch gegen eine Frau

Foto: Annegret Hilse/REUTERS

Mehr als 114.000 Frauen sind im vergangenen Jahr Opfer von Partnerschaftsgewalt geworden. Das sagte Bundesfrauenministerin Franziska Giffey im ARD-"Morgenmagazin". Insgesamt seien 2018 von solchen Übergriffen etwa 140.000 Menschen betroffen gewesen, sagte die SPD-Politikerin. Der Frauenanteil unter den Opfern beträgt demnach mehr als 81 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Fälle von Partnerschaftsgewalt leicht angestiegen. Giffey führte dies zurück auf eine höhere Bereitschaft, Anzeige zu erstatten. Die Gewalttaten reichen demnach von Körperverletzung bis hin zu Mord und Totschlag. Die Zahlen, so Giffey, seien alarmierend - zumal die Dunkelziffer noch höher sei.

122 Frauen seien im vergangenen Jahr von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet worden. "Jeden Tag findet ein Versuch statt, jeden dritten Tag wird der Versuch vollendet", sagte Giffey.

"Weiße Flecken, nicht nur in den Großstädten"

Die Ministerin startet eine bundesweite Initiative. Anlass ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Unter der Überschrift "Stärker als Gewalt" haben sich dafür Organisationen zusammengeschlossen, die Betroffenen helfen. Giffey zufolge sind daran "alle großen Organisationen, die Hilfe leisten", beteiligt.

Ziel sei es, die Hilfsangebote bekannter zu machen und auszubauen. "Es wird konkret in den Platzausbau gehen, das heißt Erweiterung von Frauenhäusern, Schaffung neuer Plätze", sagte Giffey. Bundesweit gibt es etwa 350 Frauenhäuser, also Zufluchtsorte für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen.

Die Bundesregierung wolle innerhalb der nächsten vier Jahre 120 Millionen Euro für Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen bereitstellen. Von Gewalt betroffene Frauen sollen demnach künftig einen Rechtsanspruch auf einen Platz im Frauenhaus erhalten: "Das wird Zukunftsthema sein", sagte Giffey.

Im Moment gebe es aber nicht genügend Plätze: "Da müssen alle ran, damit wir einen Rechtsanspruch tatsächlich auch perspektivisch schaffen können." Gefragt seien auch die Länder: "Wir sehen weiße Flecken, nicht nur in den Großstädten, sondern gerade auch in den ländlichen Gebieten", sagte Giffey.

mxw/dpa/AFP
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