Zum Inhalt springen

Gewalt-Video Gericht spricht Prinz von Abu Dhabi in Folterprozess frei

Ein Mann wird in der Wüste grausam gefoltert, alles wird in einem Video festgehalten. Einer der Täter soll der Bruder des Kronprinzen von Abu Dhabi sein. Nun ist der Scheich von einem Gericht freigesprochen worden. Er sei unter Drogen gesetzt worden, heißt es im Urteil.
Das Foltervideo auf der ABC-Website: "Keine Kontrolle über sein Verhalten"

Das Foltervideo auf der ABC-Website: "Keine Kontrolle über sein Verhalten"

Dubai - Das Video wurde im vergangenen Jahr zuerst vom US-Sender ABC ausgestrahlt. Die dreistündige Aufzeichnung, die aus dem Jahr 2004 stammen soll, zeigt, wie ein gefesselter Mann in der Wüste von zwei Männern eine dreiviertel Stunde lang mit einem Elektroschocker und anderen Gegenständen gequält wird. Seine Genitalien werden mit einem Feuerzeug angebrannt, einer der Männer schlägt mit einem Nagelbrett immer wieder auf das schreiende Opfer ein, dann wird Sand in seine Wunden gestreut.

Angeführt wurde die Folter angeblich von dem Bruder des Kronprinzen von Abu Dhabi, von Scheich Issa bin Said al-Nahjan. Das Video sorgte weltweit für Empörung. Nach internationalen Protesten wurde Scheich Issa unter Hausarrest gestellt.

Nun hat ein Gericht in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) den Prinzen freigesprochen. Dem Scheich seien ohne sein Wissen Drogen verabreicht worden, bevor er einen afghanischen Getreidehändler geschlagen und an den Genitalien verletzt habe, zitierte die Tageszeitung "Gulf News" am Freitag aus der schriftlichen Urteilsbegründung.

"Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Scheich Issa sich seiner Taten nicht bewusst war und keine Kontrolle über sein Verhalten hatte, weil ihm ohne sein Wissen Drogen und bewusstseinsverändernde Substanzen verabreicht worden waren", hieß es in dem Urteil.

Der Freispruch erster Instanz war bereits am 10. Januar in der Stadt Al-Ain erfolgt, aber bei der mündlichen Verhandlung nicht weiter ausgeführt worden.

Zwei Männer zu je fünf Jahren Haft verurteilt

Der Urteilsbegründung zufolge soll der Bruder des Mannes, der das Video aufnahm, dem Orangensaft des Scheichs drogenhaltige Pillen beigemischt haben. Daraufhin habe der Scheich die Kontrolle über sich verloren. Die unter seiner Anleitung und Mitwirkung erfolgten Folterungen seien gefilmt worden, um ihn zu kompromittieren.

Die beiden Brüder, zwei Amerikaner arabischer Herkunft, die den Herrschern von Abu Dhabi als Berater gedient hatten, wurden im selben Verfahren in Abwesenheit zu jeweils fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Dem gefolterten Afghanen sprach das Gericht eine Entschädigung in Höhe von 10.000 Dirham (1926 Euro) zu.

Die Begründung des Freispruchs, die weitgehend der Linie der Verteidiger des Scheichs folgte, dürfte die Wogen um den eklatanten Folterfall kaum glätten. Zuletzt hatte ihn im vorigen Mai Karl-Theodor zu Guttenberg, damals noch Bundeswirtschaftsminister, bei seinem Besuch in Abu Dhabi angesprochen und als "besonderes Anliegen" bezeichnet. Die Regierung der Emirate habe sicher ein Interesse daran, dass kein schiefes Bild über die Rechtsstaatlichkeit in dem Land entstehe, hatte er damals gesagt.

siu/dpa

Mehr lesen über

Verwandte Artikel