Gewissheit über Schicksal des Sohnes Mircos Eltern verspüren Erleichterung

Sechs Monate lang lebten sie zwischen Hoffen und Bangen, beteten für ihren vermissten Sohn. Eine Woche nachdem Mircos Leiche gefunden wurde, sprachen die Eltern erstmals über den Tod des Jungen. Und warum sie eine Art Erleichterung verspüren.

dapd

Grefrath - In den ersten Tagen nach Mircos Verschwinden wollten seine Eltern am liebsten gar nicht das Haus verlassen. "Weil wir befürchteten, einen wichtigen Anruf oder Nachricht zu verpassen", sagt seine Mutter in einem Gespräch mit "Geistbewegt", einer Zeitschrift des Bunds Freikirchlicher Pfingstgemeinden. Immer hätte ein frischgebackener Kuchen oder duftende Kekse auf dem Tisch gestanden: "Damit auch Gebackenes da ist, wenn der Mirco wieder nach Hause kommt. Das war uns irgendwie sehr wichtig."

Mirco verschwand vor genau fünf Monaten, am 3. September 2010. Seit vergangener Woche ist klar: Der Junge wurde ermordet.

Vor wenigen Tagen sprachen die Eltern mit "Geistbewegt" über ihre Gefühle. Nach der Festnahme von Olaf H. habe sich auch Erleichterung breitgemacht. "Erleichterung, dass wir nun nicht mehr zwischen Hoffen und Bangen leben müssen", wird die Mutter, die außer Mirco noch einen Sohn und zwei Töchter hat, in der Online-Ausgabe des Magazins zitiert.

Den Mörder ihres Kindes bezeichnen Mircos Eltern als "belasteten Menschen", der nicht wusste, wohin mit seiner Last. "Er muss wohl im wahrsten Sinne des Wortes vom Teufel geritten worden sein. Doch wir wissen, wohin mit unserer Last - wir bringen sie Gott, jeden Tag aufs Neue", so die Eheleute, Mitglieder der freikirchlichen Christengemeinde Krefeld. Gott habe sie in all den Monaten getragen.

Seit einer Woche sitzt der mutmaßliche Mörder in Untersuchungshaft. Der 45-Jährige - selbst Vater dreier Kinder - hat gestanden, Mirco am 3. September getötet zu haben. Am Donnerstag bestätigte die Polizei, dass sich Olaf H. selbst eine leichte Verletzung zugefügt hat. Der Vorfall sei aber nicht als Suizid-Versuch zu werten, betonte Polizeisprecher Peter Spiertz. Der Mann gelte nicht als akut selbstmordgefährdet. Olaf H. habe sich "leichte oberflächliche Hautverletzungen" zugezogen, die mit Desinfektionsspray und Pflaster behandelt worden seien.

Die Polizei sucht nach einem Leck in den eigenen Reihen. Ein Beamter habe offensichtlich ein Polizeibild widerrechtlich aus einer internen Datenbank heruntergeladen und an die Presse weitergeleitet. "Ein solches Verhalten ist strafrechtlich als Geheimnisverrat zu werten", sagte der Leiter der Direktion Kriminalität beim Polizeipräsidium Mönchengladbach. Der Maulwurf müsse, wenn er denn ermittelt werde, mit schwerwiegenden Konsequenzen rechnen, sagte Polizeirechtler Frank Ebert Legal Tribune Online.

Wann die Ermittler Mircos Leiche freigeben, ist noch unklar. Die Beerdigung soll "in den nächsten Wochen" im engsten Kreis sein, wie es aus der freikirchlichen Christengemeinde Krefeld hieß.

Am Donnerstagabend nahmen rund 600 Menschen bei einem ökumenischen Trauergottesdienst in der St. Laurentiuskirche Abschied von Mirco. Auf dem Marktplatz vor der Kirche verfolgten zahlreiche Grefrather die Feier über eine Videoleinwand. Zuvor hatten die Bürger von Grefrath dort 500 weiße Luftballons mit der Aufschrift "Ruhe in Frieden, Mirco" in den Abendhimmel steigen lassen.

Neben dem Altar hatten die Organisatoren ein großes Foto des toten Jungen aufgestellt. Pfarrer Johannes Quadflieg sagte: "Mirco ist tot, das müssen wir alle begreifen." Sein junges Leben sei ihm auf so brutale Weise genommen worden. Mit Blick auf den Täter und seine Familie mahnte Quadflieg die Menschen, nicht Böses mit Bösem zu vergelten.

Vorbereitet wurde der Trauergottesdienst von den katholischen und evangelischen Gemeinden des Ortes sowie der freikirchlichen Christengemeinde Krefeld, in der Mircos Eltern Mitglieder sind. Sie nahmen nicht an der Gedenkfeier teil, da sie zusammen mit ihren anderen Kindern verreist sind.

siu/dpa/dapd



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