Möglicherweise befangenes Jurymitglied Ghislaine Maxwells Anwälte beantragen neuen Prozess
Ghislaine Maxwell (Gerichtszeichnung): Im Dezember wegen Sexhandels schuldig gesprochen
Foto: Elizabeth Williams / APDie Verteidigung Ghislaine Maxwells hat offiziell beantragt, den Prozess gegen die Vertraute des US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein neu aufzulegen. Hintergrund ist, dass ein Jurymitglied eigene Missbrauchserfahrungen vor dem Prozess verschwiegen haben soll.
Ende Dezember hatten die zwölf Geschworenen Maxwell wegen Sexhandels mit Minderjährigen schuldig gesprochen. Der 60-Jährigen droht eine lebenslange Freiheitsstrafe. Das Strafmaß soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden. Maxwell – einst Epsteins Geliebte und dann über Jahre seine enge Vertraute und Mitarbeiterin – soll jahrelang junge Mädchen für den schwerreichen und gut vernetzten US-Investor rekrutiert und sich teilweise selbst am Missbrauch beteiligt haben.
Bereits Anfang Januar war bekannt geworden, dass die Verteidigung ein neues Verfahren fordert. Auch die Staatsanwaltschaft hatte eine Untersuchung gefordert, nachdem Bedenken laut geworden waren, dass ein Jurymitglied seine Missbrauchserfahrungen möglicherweise nicht vorab offengelegt haben könnte.
Dokumente versiegelt, Inhalt unbekannt
In einem Schreiben an das Gericht schrieben Maxwells Anwälte nun, dass sie ihren »Antrag auf ein neues Verfahren« und die »dazugehörigen Dokumente« eingereicht haben. Die Dokumente wurden versiegelt eingereicht, ihr Inhalt ist nicht bekannt.
Der betroffene Geschworene hatte sich seit Maxwells Verurteilung in mehreren Interviews über die Beratungen der Jury geäußert. Darin sagte der 35-Jährige, er habe dazu beigetragen, Geschworene zu überzeugen, die die Aussagen der beiden Hauptzeuginnen der Anklage anzweifelten. Er habe den Geschworenen gesagt, dass er sich ebenfalls nicht an jedes Detail seiner eigenen Missbrauchserfahrung erinnern könne.
Die potenziellen Geschworenen wurden während des Auswahlprozesses gefragt, ob sie jemals Opfer von sexuellem Missbrauch gewesen seien. Das Jurymitglied sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass er sich nicht an die Frage erinnere, aber den Fragebogen ehrlich beantwortet hätte.
Die Staatsanwaltschaft hat nun bis zum 2. Februar Zeit, auf den Antrag der Verteidigung Maxwells zu reagieren.
Epstein soll jahrelang minderjährige Mädchen und junge Frauen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Er war im August 2019 tot in seiner Gefängniszelle gefunden worden, als er sich in Untersuchungshaft befand. Die Behörden gehen von Suizid aus.