Sexhandel-Prozess gegen Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell in Prozess schuldig gesprochen

Das Urteil im Prozess gegen Ghislaine Maxwell ist gefallen. Ein Gericht in New York verurteilte die Vertraute von Jeffrey Epstein unter anderem wegen Sexhandels mit Minderjährigen. Ihr droht lebenslange Haft.
Gerichtsskizze: Ghislaine Maxwell

Gerichtsskizze: Ghislaine Maxwell

Foto: JANE ROSENBERG / REUTERS

Die zwölf Geschworenen haben ihr Urteil gefällt: Ghislaine Maxwell ist übereinstimmenden Medienberichten zufolge wegen Sexualverbrechen schuldig gesprochen worden. In dem seit November laufenden Prozess vor einem New Yorker Gericht wurde der Ex-Partnerin des verstorbenen US-Multimillionärs Jeffrey Epstein vorgeworfen, als Helferin des bis in höchste Kreise vernetzten Epsteins eine zentrale Rolle beim Aufbau eines Rings zum sexuellen Missbrauch von Minderjährigen gespielt zu haben.

Die 60-Jährige war in sechs Punkten angeklagt, unter anderem wegen Menschenhandels mit Minderjährigen zu Missbrauchszwecken. In fünf dieser Anklagepunkte wurde sie schuldig gesprochen. Ihr droht eine längere Haftstrafe – das Strafmaß wird Richterin Alison Nathan zu einem späteren Zeitpunkt festsetzen. Maxwell hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und während des Prozesses auf eine Aussage verzichtet.

»Der Weg zur Gerechtigkeit war viel zu lang«, erklärte Staatsanwalt Damian Williams nach dem Spruch. »Aber heute ist Gerechtigkeit geübt worden.«

Die Verteidigung hatte den Fall von Beginn an als juristische Abrechnung und Stellvertreterprozess dargestellt, da die Staatsanwaltschaft Epstein selbst nicht mehr belangen konnte. Der 66-Jährige war während der Vorbereitung auf den Missbrauchsprozess gegen ihn im August 2019 leblos in seiner Gefängniszelle gefunden und im Krankenhaus für tot erklärt worden. Ein Obduktionsbericht stellte Suizid fest, um den Tod ranken sich aber zahlreiche Verschwörungsmythen.

Anklage nannte Maxwell eine »raffinierte Sexualstraftäterin«

Die Anklage hatte dagegen schwere Vorwürfe gegen Maxwell wegen sexuellen Missbrauchs erhoben . Maxwell sei »gefährlich« und eine »raffinierte Sexualstraftäterin«, hatte Staatsanwältin Alison Moe vor Weihnachten in ihrem Schlussplädoyer gesagt. »Sie hat ihre Opfer manipuliert und sie auf sexuellen Missbrauch vorbereitet«, so die Anklage weiter. Maxwell sei »schick« und »lächelnd« aufgetreten und habe so die mutmaßlichen Opfer, die oft aus problematischen Verhältnissen stammten, in eine Falle gelockt.

Maxwells Verteidigerin Laura Menninger dagegen sagte, ihre Mandantin sei »eine unschuldige Frau, zu Unrecht Verbrechen bezichtigt, die sie nicht begangen hat«. Die Anklage der Staatsanwaltschaft basiere auf fehlerhaften Erinnerungen.

Zahlreiche Prominente im Dunstkreis

Maxwell ist die Tochter des legendären britischen Verlegers Robert Maxwell (1923-1991) und kam Anfang der Neunzigerjahre nach New York. Sie traf Epstein auf einer der zahlreichen Promi-Partys und war damals zeitweise seine Freundin. Das Umfeld Epsteins beschrieb ihre Rolle in seinem Leben als eine Mischung aus Angestellter und bester Freundin. Laut Staatsanwaltschaft wurde sie dafür üppig entlohnt: Zwischen 1999 und 2007 überwies ihr Epstein angeblich rund 30 Millionen Dollar.

Der Missbrauch zahlreicher Minderjähriger durch Epstein soll über Jahrzehnte auf seinen Anwesen in New York, Florida, Santa Fe oder den Virgin Islands stattgefunden haben. Der Fall hatte in den USA auch deshalb hohe Wellen geschlagen, weil der schwerreiche Unternehmer mit Prominenten wie den Ex-Präsidenten Bill Clinton und Donald Trump, Milliardär Bill Gates oder dem britischen Prinz Andrew bekannt war. Eine frühere Anklage gegen ihn ging mit einem für Epstein sehr vorteilhaften Deal zu Ende – er wurde zum Symbol einer Elite, die mit allem durchkommt.

dop/jok/dpa
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