Plädoyers in Prozess gegen Epstein-Vertraute Maxwell »Sie wusste genau, was sie tat«

Zum Abschluss des Prozesses gegen die Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell hat die Anklage ein harsches Bild der Angeklagten gezeichnet: Sie sei eine gefährliche, raffinierte Sexualstraftäterin, die gezielt junge Mädchen rekrutierte.
Ghislaine Maxwell (Gerichtszeichnung)

Ghislaine Maxwell (Gerichtszeichnung)

Foto: Jane Rosenberg / REUTERS

Im Prozess gegen die langjährige Vertraute des verstorbenen US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, haben die Schlussplädoyers von Anklage und Verteidigung begonnen.

Beide Seiten hatten am Montag vor einem Bundesgericht in New York mehrere Stunden Zeit, ihre Argumente darzulegen. Im Anschluss sollten die zwölf Geschworenen mit ihren Beratungen beginnen. Im Falle eines Schuldspruchs droht Maxwell, die am ersten Weihnachtstag 60 Jahre alt wird, eine jahrzehntelange Gefängnisstrafe.

Die Verteidigung hatte am Freitag nach weniger als zwei Verhandlungstagen ihre Beweisführung beendet. Maxwell selbst lehnte es ab, in dem Prozess auszusagen, der nun schneller als erwartet auf sein Ende zusteuert.

300 Dollar auf die Hand

Die Anklage will die Jury davon überzeugen, dass Maxwell als Helferin eine zentrale Rolle beim Aufbau eines Rings zum Missbrauch von Minderjährigen gespielt hat.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Tochter des britischen Medienmoguls Robert Maxwell vor, über Jahre systematisch Minderjährige für Epstein rekrutiert zu haben, die von dem bestens vernetzten Finanzinvestor dann sexuell missbraucht wurden. Konkret wird Maxwell in sechs Anklagepunkten Sexhandel zur Last gelegt, die Anklage umfasst einen Zeitraum zwischen 1994 und 2004.

Während des dreiwöchigen Prozesses sagten vier mutmaßliche Epstein-Opfer aus. Zwei von ihnen waren nach eigenen Angaben erst 14 Jahre alt, als der sexuelle Missbrauch begann. Eine der Frauen sagte aus, sie habe nach sexuellen Begegnungen mit Epstein in der Regel 300 Dollar erhalten - meist von Maxwell persönlich. Eine andere Frau sagte aus, Maxwell habe ihr als Teenager an die Brust gegriffen.

»Dann gehen sie in die Falle«

»Maxwell hat eine Jugendliche in ein Massagezimmer geschickt, in dem sich ein erwachsener Mann befand. Sie wusste genau, was sie tat«, sagte die stellvertretende Staatsanwältin Alison Moe. Maxwell habe die mutmaßlichen Opfer, die oft aus problematischen Familienverhältnissen stammten, dem
Täter gezielt zugeführt.

Epstein habe den Missbrauch nicht allein begehen können. »Wenn dieser Mann von einer schicken, lächelnden, respektablen Frau mittleren Alters begleitet wird, beginnt alles legitim zu wirken«, sagte Moe. »Und wenn diese Frau sich so verhält, als wäre es total normal, dass dieser Mann die Mädchen anfasst, dann gehen sie in die Falle.«

Moe nahm Bezug auf mutmaßliche Zahlungen Epsteins an Maxwell in Höhe von 30 Millionen Dollar in den Neunziger- und Zweitausenderjahren. »Man gibt niemandem 30 Millionen Dollar, es sei denn, dieser jemand gibt dir genau das, was du willst. Und was Epstein wollte, war, minderjährige Mädchen anzufassen.« Die Zahlungen seien der Lohn für »schreckliche Verbrechen« gewesen, welche die Angeklagte mit Epstein gemeinsam begangen habe.

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Die im Juli 2020 festgenommene Angeklagte selbst hat alle Vorwürfe zurückgewiesen. Ihre Anwälte werfen der Staatsanwaltschaft vor, Maxwell zum »Sündenbock« zu machen, weil Epstein nach seinem Tod in einer New Yorker Gefängniszelle im August 2019 durch mutmaßlichen Suizid nicht mehr der Prozess gemacht werden kann. Die Verteidigung versuchte während des Prozesses auch, das Erinnerungsvermögen der Zeuginnen in Zweifel zu ziehen.

Maxwells Anwältin Laura Menninger erklärte, ihre Mandantin sei »eine unschuldige Frau«. Es sei der Staatsanwaltschaft nicht gelungen, zweifelsfrei zu beweisen, dass Maxwell der Förderung der Prostitution, des Menschenhandels, schuldig sei.

Die Geschworenen werden einstimmig über Schuld oder Unschuld entscheiden müssen – ansonsten platzt der Prozess.

Epstein war bereits 2008 wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt und seitdem als Sexualverbrecher geführt worden. Im Juli 2019 wurde er erneut verhaftet, er soll Hunderte minderjährige Mädchen missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben. Der mit vielen Prominenten bekannte Multimillionär wurde vor über zwei Jahren in einer New Yorker Gefängniszelle tot aufgefunden, laut Obduktion beging Epstein Suizid. Einen Prozess wegen der neuen Vorwürfe gegen ihn gab es deshalb nie.

ala/dpa/Reuters