Prozess gegen mutmaßlichen Würth-Entführer Wichtige Zeugen haben Zweifel

Die Anklage gegen den mutmaßlichen Entführer des Milliardärssohnes Markus Würth stützt sich auf eine Audioaufnahme. Doch zwei Zeugen sind sich plötzlich nicht mehr so sicher, ob sie den Mann tatsächlich gehört haben.

Angeklagter im Landgericht Gießen
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Angeklagter im Landgericht Gießen


Im Prozess um die Entführung des Milliardärssohnes Markus Würth ist ein zentrales Beweismittel gefährdet. Vor dem Landgericht Gießen ist ein Mann angeklagt, der den erwachsenen Sohn des baden-württembergischen Unternehmers Reinhold Würth im Juni 2015 entführt haben soll.

Die Stimme des Angeklagten Nedzad A. spielt eine wichtige Rolle in dem Verfahren: Die Ermittler stützen ihre Anklage zu großen Teilen auf die Analyse und Zuordnung eines Telefon-Mitschnitts. Die darauf festgehaltene Erpresserstimme soll zu dem 48-Jährigen gehören (lesen Sie hier mehr über die Ermittlungen).

Doch inzwischen tun sich Zeugen offenbar schwer mit ihrer Erinnerung. Eine 56-Jährige berichtete im Prozess zwar, sie habe die Stimme des Angeklagten "sofort" erkannt, es sei die Stimme ihres Handwerkers gewesen.

Zum Abschied am Telefon: "Ich trenne mich"

Bei Detailfragen zu sprachlichen Eigenarten musste die Frau aber Unsicherheiten einräumen. Ein 52 Jahre alter Zeuge, der sich bei seiner polizeilichen Befragung zu der Stimme noch "ziemlich sicher" war, sprach nun ebenfalls von Zweifeln.

Die aufgenommene Erpresserstimme weise verschiedene Auffälligkeiten auf, sagte ein Kriminalbeamter im Zeugenstand. Dazu zählte er dessen ungewöhnliche Verabschiedungsformel "Ich trenne mich". Die Beamten hatten zahlreiche Fahndungsplakate im Rhein-Main-Gebiet - dem vermuteten Wohnort des Täters - verteilt und mehr als 6000 Personen in einem Schreiben um Hilfe gebeten.

Nedzad A. ist wegen erpresserischen Menschenraubes angeklagt. Er soll Markus Würth mit bislang unbekannten Mittätern im osthessischen Schlitz entführt und drei Millionen Euro Lösegeld gefordert haben. Die Übergabe scheiterte jedoch, das Opfer, nach einem Impfschaden seit frühester Kindheit geistig zurückgeblieben, kam unversehrt frei.

jpz/dpa



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