Giftgas-Anschlag in Tokio Todesstrafe für Sekten-Gründer besiegelt

In seinem Auftrag verübten Mitglieder der Aum-Shinrikyo-Sekte zahlreiche Morde, darunter auch den Giftgas-Anschlag auf die U-Bahn in Tokio vor elf Jahren. Jetzt ist das Todesurteil für den Gründer der Endzeit-Sekte, Shoko Asahara, rechtskräftig.


Tokio - Asaharas Anwälte hatten die Einstellung des Verfahrens gefordert. Ihr Argument: Der halbblinde Sekten-Gründer sei in keiner normalen mentalen Verfassung, und sie seien nicht in der Lage, mit ihm zu kommunizieren. Das Oberste Gericht wies den Einspruch der Verteidiger heute jedoch zurück und erklärte die zuvor verhängte Todesstrafe für rechtskräftig.

Asahara war Drahtzieher mehrerer von seinen Jüngern begangener Morde und Mordversuche mit insgesamt 27 Todesopfern. So verübten sie am 20. März 1995 einen Anschlag auf die U-Bahn in Tokio, um auf diese Weise eine geplante Razzia auf das Hauptquartier der Sekte am Fuße des heiligen Berges Fuji zu verhindern. Dabei stachen sie Plastiktüten mit Sarin auf und setzen das tödliche Nervengas frei. Zwölf Menschen kamen ums Leben, Tausende wurden verletzt. Noch heute leiden viele der Opfer des Anschlages unter den psychischen, physischen und finanziellen Folgen.

Nach der Besiegelung der Todesstrafe, die in Japan durch Hängen vollstreckt wird, zeigte das japanische Fernsehen noch einmal die erschütternden Szenen vom Tag des Anschlages. Wann die Hinrichtung stattfindet, ist bislang unklar. Japan gibt deren Termine nicht bekannt.

Ashara, der mit bürgerlichem Namen Chizuo Matsumoto heißt, wurde 1955 in einem kleinen Dorf auf der südjapanischen Insel Kyushu geboren. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und studierte - nachdem er durch die Aufnahmeprüfung der Tokioter Universität gefallen war - Akupunktur und traditionelle chinesische Medizin.

In den achtziger Jahren gründete Asahara die Aum-Sekte. In dieser vermischte er buddhistische, hinduistische und apokalyptische Lehren miteinander. Unter anderem predigte er vom Endkampf vor dem Jüngsten Gericht, auf den sich Aum mit seinen etwa 40.000 Mitgliedern in Japan und Russland vorbereiten müsse. 1990 scheiterte Asahara mit seiner Kandidatur für das japanische Parlament. In der Folge kam es zu einer Militarisierung der Sekte. So kaufte Asahara etwa einen Hubschrauber sowie bewaffnete Fahrzeuge in Russland und richtete Labore für Chemie- und Biowaffen ein.

Inzwischen hat sich die Sekte in Aleph umbenannt und von Gewalt losgesagt. Zudem entschuldigte sie sich wiederholt bei den Opfern und den Angehörigen. Dennoch stehen ihre etwa 1600 Jünger weiterhin unter scharfer staatlicher Überwachung. Nach Einschätzung der japanischen Sicherheitsbehörden übt Asahara weiter Einfluss auf die Sekte aus.

Mit Asahara wurde der letzte von 189 Angeklagten verurteilt, davon zwölf zum Tod. Bislang wurde keines der Todesurteile vollstreckt.

aki/dpa



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