Beim Check-in Musiker Gil Ofarim berichtet von Antisemitismus in Leipziger Hotel

In einem Instagram-Video spricht der Musiker Gil Ofarim über antisemitische Anfeindungen, die er wegen seiner Kette mit einem Davidstern in einem Leipziger Hotel erfahren habe. Ein Sprecher der Hotelkette verspricht Aufklärung.
Gil Ofarim (im August)

Gil Ofarim (im August)

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Gerald Matzka / picture alliance

Der Sänger Gil Ofarim ist nach eigenen Angaben Opfer von antisemitischen Anfeindungen geworden. Er sei am Montag vom Personal eines Leipziger Hotels daran gehindert worden, einzuchecken, berichtet er in einem Instagram-Video . Er sei aufgefordert worden, seine Kette mit einem Davidstern – einem wichtigen Symbol des Judentums – einzustecken.

In dem Video sitzt Ofarim vor dem Hotel »The Westin Leipzig«. Der 39-Jährige erzählt, dass er vor der Rezeption in einer Schlange gestanden habe. Der Rezeptionist – »Herr W.«, wie Ofarim ihn nennt – habe aber mehrfach andere Wartende vorgezogen.

Als Ofarim an der Reihe gewesen sei und sich beschwert habe, habe jemand aus einer anderen Ecke des Raums gerufen: »Pack deinen Stern ein!« Der Rezeptionist habe daraufhin ebenfalls zu ihm gesagt: »Packen Sie Ihren Stern ein.« Wenn er die Halskette mit dem Davidstern-Anhänger einpacke, dürfe er einchecken. Am Ende des Videos ist Ofarim den Tränen nahe.

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Ein Sprecher der Westin-Kette sagte auf SPIEGEL-Anfrage, das Hotel nehme die Angelegenheit sehr ernst. »Wir versuchen mit allen Mitteln, Herrn Ofarim zu kontaktieren, da wir dringend herausfinden müssen, was hier passiert ist.« Das Hotel respektiere und unterstütze alle Gäste und Mitarbeiter »unabhängig davon, welcher Religion sie angehören«.

Olaf Hoppe, Sprecher der Leipziger Polizei, sagte, dass die mutmaßliche Aussage des Hotelangestellten für ihn »klar antisemitisch« sei. Die Polizei werde Inhalte des Videos an die Staatsanwaltschaft weiterleiten, die eine strafrechtliche Relevanz prüfe. Je nach Ergebnis werde dann weiter ermittelt oder nicht. Wie Hoppe weiter erklärte, war die Polizei bei dem Vorfall nicht vor Ort. Mit Ofarim habe man bislang nicht gesprochen. Die Behörde kenne sein Video und habe es gesichert.

Zentralrat der Juden hofft auf Konsequenzen

Ofarim ist ein deutscher Rockmusiker, er ist der Sohn des 2018 verstorbenen israelischen Sängers Abi Ofarim und dessen dritter Ehefrau Sandra. Gil Ofarim arbeitet außerdem als Schauspieler und war schon in Serien wie »Gute Zeiten, schlechte Zeiten« oder TV-Formaten wie »Let’s Dance« zu sehen. In den sozialen Medien ging sein Video viral. Allein auf seinem Instagram-Account zählt der Clip mittlerweile mehr als 230.000 Klicks.

»Die antisemitische Anfeindung gegen Gil Ofarim ist erschreckend. So wie zu hoffen ist, dass das Westin personelle Konsequenzen zieht, hoffe ich ebenso, dass wir künftig auf Solidarität treffen, wenn wir angegriffen werden«, wird Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, auf Twitter zitiert.

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Auch Kevin Kühnert, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD, äußerte sich auf Twitter zu dem Video. »Ich glaube, hier wäre Kommunikation notwendig und angemessen«, schrieb er an das Hotel gerichtet: »Geht ihr den Vorwürfen nach? Und wenn sie sich bewahrheiten, wie geht das Unternehmen mit Antisemitismus um – reaktiv, aber auch präventiv?«

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sprach von einem »unfassbaren Fall von Antisemitismus« und einem Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). »Eine rasche Antwort des Hotels ist überfällig. Aus unserer Sicht kann das nicht folgenlos bleiben«, schrieb die Bundesstelle auf Twitter.

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Das Hotel hat auf Twitter bislang nicht geantwortet.

Auch sächsische Politikerinnen und Politiker äußerten sich. Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) sagte, er hoffe darauf, dass der Musiker Anzeige erstattet, damit man den Vorgang polizeilich untersuchen könne. »Sachsen ist ein weltoffenes Land«.

Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) schrieb bei Twitter, es mache ihn wütend, was Ofarim widerfahren sei. Er spreche für die übergroße Mehrheit der Menschen in Sachsen, wenn er sich stellvertretend für die antisemitische Demütigung entschuldige. »Wir haben noch viel zu tun in Sachsen!«

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Auch Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) zeigte sich bei Twitter bestürzt. »Antisemitismus darf keinen Platz haben. Nicht offen, nicht verdeckt. Nicht in Sachsen, nicht in Deutschland, nirgendwo.«

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Das Bündnis »Leipzig nimmt Platz« kündigte für den Abend eine Solidaritätsversammlung vor dem Hotel an.

ptz/jpz/bbr/dpa
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