Zum Inhalt springen

Gil Ofarims Antisemitismus-Vorwurf Hotel sieht Mitarbeiter entlastet

Gil Ofarim beschuldigt einen Angestellten des Westin Leipzig, ihn antisemitisch angefeindet zu haben. Eine vom Hotel beauftragte Anwaltskanzlei konnte dafür jedoch keine Anhaltspunkte finden.
The Westin Leipzig: im Mittelpunkt einer Antisemitismus-Debatte

The Westin Leipzig: im Mittelpunkt einer Antisemitismus-Debatte

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Das Westin Leipzig hat seine Untersuchungen im Fall Gil Ofarim abgeschlossen. Es lägen keine »objektivierbaren Anhaltspunkte« vor, die es rechtfertigten, »strafrechtliche und / oder arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen den beschuldigten Mitarbeiter zu ergreifen«, teilte das Hotel mit.

Vor rund zwei Wochen hatte Ofarim berichtet , dass er Opfer von antisemitischen Anfeindungen geworden sei. Demnach war er von dem Mitarbeiter des Westin Hotels dazu aufgefordert worden, seine Halskette mit einem Davidstern einzupacken. Dann dürfe er einchecken. Das berichtete er in einem Instagram-Video, das bundesweit Aufsehen erregte.

Das Hotel hatte nach Bekanntwerden der Anschuldigungen eine »spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei« beauftragt, ein Gutachten zu erstellen. Die Juristen hätten unter anderem den beschuldigten Rezeptionisten, mehrere weitere Mitarbeiter und alle »erreichbaren und auskunftsbereiten« Gäste sowie weitere Zeugen befragt, so das Hotel. Außerdem sei ein Gutachten zu den Aufnahmen der Videoüberwachungsanlage eingeholt worden.

Aufgrund des Ergebnisses der Untersuchung habe man entschieden, keine Maßnahmen gegen den Mitarbeiter einzuleiten. Der Mann sei nach wie vor »massiven Anfeindungen« ausgesetzt. Deshalb habe man entschieden, dass er »aus Fürsorgegesichtspunkten zunächst seinen Aufgaben noch nicht wieder vollumfänglich nachkommen wird«.

Die gewonnenen Erkenntnisse werde man mit den Strafverfolgungsbehörden teilen.

Am Wochenende hatten Medienberichte erhebliche Zweifel an Ofarims Darstellung aufkommen lassen. Die »Bild am Sonntag« veröffentlichte Aufnahmen, auf denen Ofarim unter anderem an der Rezeption und beim Verlassen des Hotels zu sehen ist. Sie zeigten, dass Ofarim womöglich keine Kette mit einem sichtbaren Davidstern trug.

Gegenseitige Anzeigen

Ofarim selbst blieb gegenüber dem SPIEGEL bei seiner Darstellung. »Ich hatte die Kette durchgehend an. Ich verstehe nicht, warum jetzt darüber debattiert wird, ob ich die Kette anhatte oder nicht«, sagte Ofarim zu dem Schmuckstück, das er von seinem Vater zur Bar Mitzwa geschenkt bekommen habe.

In der vergangenen Woche hatte Ofarim mitgeteilt, Strafanzeige gegen den Mitarbeiter des Hotels gestellt zu haben. Der Staatsanwaltschaft Leipzig liegen bislang mehrere Anzeigen zu dem Vorfall vor – auch von dem beschuldigten Hotelmitarbeiter. Er wirft Ofarim Verleumdung  vor und schildert nach früheren Angaben der Polizei die Vorkommnisse deutlich anders als der Künstler.

bbr