Westin-Hoteldirektor zum Fall Ofarim »Noch schlimmer als ein Sturm, der über uns hereingebrochen ist«

Abrechnung mit den Medien: Ein halbes Jahr nach dem Antisemitismusvorwurf von Gil Ofarim hat der Direktor des Westin-Hotels scharfe Kritik geäußert. Ein Teil seines Lebens habe sich damals verändert.
Westin-Hotel Leipzig

Westin-Hotel Leipzig

Foto: Holger John / VIADATA / IMAGO

Der Direktor des Westin-Hotels in Leipzig, Andreas Hachmeister, hat sich zu den Antisemitismus-Vorwürfen Gil Ofarims geäußert. Der NDR-Sendung »Zapp« sagte er,  wie schwierig es für ihn gewesen sei, mit den Behauptungen des Sängers umzugehen. »Das war kein Shitstorm für uns. Das war ein Orkan. Oder noch schlimmer als ein Sturm, der über uns hereingebrochen ist.«

Das Hotel sei nicht auf die weltweite Pressenachfrage vorbereitet gewesen. Das sei »keine Aufgabe gewesen, von der wir wussten, dass wir sie bewältigen können«. Hachmeister kritisierte auch die Vorverurteilung vieler Medien. Die »Süddeutsche Zeitung« hatte im Oktober etwa mit der Überschrift »Grand Hotel Abgrund« über Ofarims Video berichtet. »Es trifft einen im Mark«, sagte Hachmeister. Auch sechs Monate später sei er noch »berührt«.

Ofarim hatte dem Hotel damals vorgeworfen, andere Gäste beim Check-in bevorzugt zu haben. Der 39-Jährige sagte, es sei wegen seines Davidsterns gewesen, den er an einer Kette trug. Inzwischen gaben die Ermittler in dem Fall bekannt, dass sich das von dem Sänger geschilderte Geschehen »tatsächlich so nicht ereignet hat«. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Ofarim erhoben – wegen Verleumdung und falscher Verdächtigungen.

Hoteldirektor Hachmeister sagte, in der ersten Woche nach Ofarims Vorwurf seien Hunderte und Tausende Hassanrufe beim Hotel eingegangen. »Das macht natürlich etwas mit einem.« Auch die Nachrichten auf Social-Media-Plattformen seien erschreckend und hart gewesen. »Am 5. Oktober hat sich ein Teil meines Lebens geändert«, sagte Hachmeister »Zapp«.

In dem Beitrag kommt auch Markus Hennig zu Wort, Ofarims Anwalt. Er hofft nach der Anklageerhebung gegen seinen Mandanten auf einen Freispruch.

Auf die Frage, warum gegen die Einstellung des Ermittlungs­verfahrens gegen den Hotel­mitarbeiter kein Einspruch mehr eingelegt wurde, erklärt Anwalt Hennig laut einer NDR-Mitteilung: »Herrn Ofarim ging es ursprünglich ohnehin nicht darum, jetzt hier eine einzelne Person verantwortlich zu machen, sondern ihm ging es darum, auf etwas aufmerksam zu machen, was ihm passiert ist und was er für inakzeptabel hält in den heutigen Zeiten.« Auf die Rückfrage, ob Ofarim an seiner ursprünglichen Darstellung zum jetzigen Zeitpunkt weiterhin festhalte, antwortete er: »Davon können Sie ausgehen.«

Das Landgericht Leipzig muss nun entscheiden, ob es die Anklage der Staatsanwaltschaft zulässt.

kha
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