Justizirrtum in Louisiana Todeskandidat kommt nach fast 26 Jahren frei

Fast drei Jahrzehnte wartete Glenn Ford auf seine Hinrichtung wegen Mordes - und beteuerte dabei stets seine Unschuld. Jetzt hat ein Gericht im US-Bundesstaat Louisiana das Urteil gegen den 64-Jährigen zurückgenommen. "Es fühlt sich gut an", sagte Ford bei seiner Freilassung.

Ehemaliger Todeskandidat Glenn Ford nach seiner Freilassung: "Es fühlt sich gut an"
AP Photo/WAFB-TV 9

Ehemaliger Todeskandidat Glenn Ford nach seiner Freilassung: "Es fühlt sich gut an"


Angola/New Orleans - Nach fast 26 Jahren in der Todeszelle ist ein zu Unrecht verurteilter US-Amerikaner wieder in Freiheit. Glenn Ford, 64, verließ nach Behördenangaben zu Fuß das Hochsicherheitsgefängnis von Angola im US-Bundesstaat Louisiana. Ein Gericht hatte zuvor einen Schuldspruch wegen Mordes aus dem Jahr 1984 aufgehoben.

Ford hatte seit 1988 in der Todeszelle gesessen, nachdem ihn die Justiz für schuldig befunden hatte, einen Juwelier und Uhrmacher aus der Stadt Shreveport getötet zu haben. Ford, der gelegentlich für den Mann gearbeitet hatte, stritt die Tat bis zuletzt ab. Verurteilt worden war er zur Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl.

"Es fühlt sich gut an", sagte Ford zu Reportern des örtlichen Fernsehsenders WAFB-TV, als er das Gefängnis verließ. Gleichzeitig äußerte er seinen Groll auf die Justiz: "Ich wurde fast 30 Jahre weggesperrt für etwas, das ich nicht getan habe." Dinge, die er mit 35, 38 oder 40 Jahren hätte tun können, seien unwiederbringlich verloren.

Neue Informationen stützten Alibi

Richterin Ramona Emanuel hatte am Montag das ursprüngliche Urteil gegen Ford zurückgenommen. Hintergrund waren seinen Anwälten zufolge neue Informationen, die Fords Alibi stützten. "Wir sind froh, dass Glenn Ford endlich freigesprochen ist, und wir sind vor allem dankbar für das entschlossene Handeln von Gericht und Staatsanwaltschaft", teilten die Juristen Gary Clements und Aaron Novod mit.

Während seiner Haft hatte Ford stets seine Unschuld beteuert und mehrfach versucht, Rechtsmittel gegen seine Verurteilung einzulegen. Im Jahr 2000 ordnete der oberste Gerichtshof in Louisiana eine Anhörung an, um Fords Behauptung zu prüfen, wonach die Anklage entlastende Beweise unterdrückt habe. Nach Angaben der "Shreveport Times" gab es zudem im Jahr 2013 Hinweise darauf, dass ein anderer Mann den Mord an dem Juwelier gestanden habe.

Am vergangenen Donnerstag schließlich beantragte die Staatsanwaltschaft, den Schuldspruch und die Verurteilung zur Todesstrafe zurückzunehmen. Es gebe seit dem vergangenen Jahr "glaubhafte Beweise", wonach Ford an der Ermordung des Juweliers nicht beteiligt und zum Tatzeitpunkt nicht vor Ort gewesen sei. Hätte die Anklagebehörde diese Informationen früher gehabt, "wäre Ford womöglich nicht einmal verhaftet worden", hieß es in einer Stellungnahme.

Um welche Informationen es dabei konkret ging, wollte Staatsanwältin Catherine Estopinal nicht kommentieren. Es handele sich um eine "aktuelle Entwicklung", sagte sie lediglich.

rls/AP/Reuters



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