Mutmaßliche Sekte in NRW Haftbefehl gegen "Propheten" wegen Missbrauchsverdachts

Auf dem Areal eines ehemaligen Klosters am Niederrhein soll sich eine Sekte etabliert haben. Im Zentrum steht offenbar ein Mann, gegen den die Staatsanwaltschaft nun weitere Vorwürfe erhoben hat.
Goch: Großeinsatz der Polizei

Goch: Großeinsatz der Polizei

Foto: Guido Schulmann / dpa

Die Staatsanwaltschaft hat ihre Vorwürfe gegen einen Mann ausgeweitet, der führendes Mitglied einer mutmaßlichen Sekte in Nordrhein-Westfalen sein soll. Dem 58-Jährigen werden Missbrauch eines Kindes in den Niederlanden in zehn Fällen von 2006 bis 2008 vorgeworfen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kleve.

Außerdem stehe der Niederländer unter Verdacht, in Goch 2019 zwei Vergewaltigungen begangen zu haben. Er befinde sich inzwischen in Untersuchungshaft.

Der Mann war am Mittwoch bei einem Großeinsatz in Goch festgenommen worden. Auf dem Gelände eines ehemaligen Klosters war die Polizei auf eine mutmaßliche Sekte gestoßen.

Eine 25-Jährige soll dort gegen ihren Willen festgehalten worden sein. Sie wurde nach Polizeiangaben befreit und in Sicherheit gebracht. Dem Verdächtigen wird daher auch Freiheitsberaubung vorgeworfen.

Offenbar länger als eine Woche eingesperrt

Der Niederländer soll die 25-Jährige länger als eine Woche "eingesperrt oder auf andere Weise ihrer Freiheit beraubt haben", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Kleve. Sie sei inzwischen befragt worden, ebenso wie zahlreiche Zeugen.

Zudem werde dem Mann Körperverletzung vorgeworfen. Opfer soll ein Mitglied der in Goch angetroffenen Gemeinschaft sein.

"Man kann auch sagen: eine Sekte"

Laut Ermittlungsbehörde soll sich auf dem dortigen Areal einer Eventfirma mit mehreren Veranstaltungsräumen "eine Glaubensgemeinschaft etabliert haben, man kann auch sagen: eine Sekte".

Dabei handelt es sich nach ersten Erkenntnissen vermutlich um die umstrittene Vereinigung "Orde der Transformanten". "Orde" ist niederländisch und bedeutet Orden.

Die Polizei sei bei dem Einsatz "äußerst behutsam" vorgegangen, sagte der Staatsanwalt. Auch, weil es im Vorfeld Hinweise auf Kinder gegeben habe.

Ob die angetroffenen Menschen dem "Orde" angehören und auf dem Grundstück bleiben können, war zunächst unklar. Die Ermittlungen richten sich laut Staatsanwaltschaft nur gegen den 58-Jährigen. Auf dem Areal trafen die Beamten insgesamt 54 Personen an, darunter zehn Kinder.

jpz/dpa
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