Cyberkriminalität Sprengstoff-Plattform nach Razzia stillgelegt

1000 Polizisten gegen eine Internetseite: Das Forum xplosives.net bot Anleitungen zum Bau von Kriegswaffen und Herstellung von Sprengstoff. Jetzt gab es einen Großeinsatz der Polizei.

Blaulicht der Polizei (Symbolbild)
DPA / Patrick Seeger

Blaulicht der Polizei (Symbolbild)


Die Polizei hat in einem internationalen Großeinsatz die im Internet frei zugängliche Sprengstoff-Plattform xplosives.net stillgelegt. Dabei wurden der Server und zahlreiche Datenträger beschlagnahmt, auch Sprengstoff und Rauschgift seien sichergestellt worden, gab der Präsident der Polizeidirektion Göttingen am Dienstag bekannt.

Demnach richteten sich die Ermittlungen gegen 22 deutsche Verdächtige im Alter von 17 bis 55 Jahren. Rund 1000 Einsatzkräfte der Polizei waren beteiligt. Die Durchsuchung fand an insgesamt 34 Einsatzorten in neun deutschen Bundesländern, sowie in Kroatien und in Litauen statt. Dem NDR zufolge wurden die 22 Personen während der Razzia vernommen, darunter auch die fünf Betreiber der Plattform und zwei technische Administratoren.

Hintergrund der Durchsuchungsaktion ist ein Ermittlungsverfahren gegen das Onlineforum xplosives.net. Es geht um den Vorwurf des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, das Waffengesetz, das Sprengstoffgesetz und das Betäubungsmittelgesetz. Auf der Internetseite sollen der Bau von Kriegswaffen, die Herstellung von Sprengstoffen und synthetischen Betäubungsmittel detailliert beschrieben worden sein. Weiterhin soll das Forum für den Handel mit Betäubungsmitteln und chemischen Grundstoffen genutzt worden sein.

Dem NDR zufolge sollen auf der Internetseite auch Videos vom Bostoner Marathon gefunden worden sein, bei dem im Jahr 2013 mehrere Sprengsätze detonierten. Hinweise auf ein politisches Motiv liegen bisher nicht vor. Zu der Frage, ob die Waffen und der Sprengstoff auch gegen Menschen eingesetzt werden sollten, gebe es noch keine Erkenntnisse, sagte Uwe Lühring, Präsident der Polizeidirektion Göttingen.

"Wir können es nicht ausschließen", sagte er. Festgenommen wurde keiner der Beschuldigten, da es derzeit keine Anhaltspunkte für Flucht- und Verdunkelungsgefahr gebe. Die Ermittlungen hatten im September 2018 begonnen.

Die Internetseite war bislang offen zugänglich, nun ist sie gesperrt. Bislang waren dort rund 3000 registrierte Mitglieder, von denen sich etwa 360 Nutzer aktiv beteiligten.

Die Polizeidirektion Göttingen und die Zentralstelle Internet- und Computerkriminalität koordinierten die Polizeimaßnahmen. Der Zentralstellenleiter und Oberstaatsanwalt Ingo Rau verwies auf die Relevanz internationaler Zusammenarbeit in der Strafverfolgung: "Cybercrime hält sich weder an nationale noch an internationale Zuständigkeitsregeln".

muk/dpa

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