Urteil des Verwaltungsgerichts Göttinger Organspendeskandal – Ex-Chefarzt verliert Ruhegehalt

Ein ehemaliger Chefarzt bekommt wegen des Skandals um Organspenden keine Pension mehr. Er soll Mitarbeiter angewiesen haben, Blutwerte zu manipulieren.
Organspendeausweis (Symbolbild): Vertrauen in Transplantationsmedizin erschüttert

Organspendeausweis (Symbolbild): Vertrauen in Transplantationsmedizin erschüttert

Foto: Thomas Trutschel / photothek / IMAGO

Vor etwa zehn Jahren flog der sogenannte Göttinger Organspendeskandal auf, der Fall beschäftigt die Justiz bis heute. Im Zusammenhang mit dem Skandal ist einem ehemaligen Chefarzt nun sein Ruhegehalt aberkannt worden.

Das Verwaltungsgericht Göttingen urteilte im März gegen den früheren Professor der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), wie ein Gerichtssprecher mitteilt.

Der Beklagte soll in elf Fällen durch manipulierte Blutwerte Einfluss auf die Empfänger von Spenderorganen genommen haben. Die Manipulationen sollten die Chancen auf die Zuteilung eines Spenderorgangs offenbar erhöhen, so die Richter.

Der Mann habe seine Mitarbeiter angewiesen, Manipulationen vorzunehmen. Er habe damit seine Führungsposition missbraucht, auch wenn ihm kein eigenhändiges Handeln nachgewiesen werden konnte. Für die Behandlung eines Transplantationspatienten bekam er demnach 30.000 Euro, das habe er verschwiegen.

Endgültiger Vertrauensverlust

Die UMG, die die Disziplinarklage eingereicht hatte, hält den Mediziner für eine der zentralen Figuren in dem Organspendeskandal. Im Juli 2012 beurlaubte die Klinik den verbeamteten Arzt. Eine Weiterbeschäftigung sei wegen eines endgültig eingetretenen Vertrauensverlustes nicht mehr zumutbar gewesen. Dieser Auffassung folgte das Gericht.

Der Beklagte ist inzwischen im Ruhestand. Er hatte erklärt, dass er von den Manipulationen der Blutwerte nichts gewusst habe. Für die Entscheidungen sei allein der damals vor dem Landgericht Göttingen angeklagte Operateur zuständig gewesen.

Gegen das nun zugestellte Urteil kann er innerhalb eines Monats Berufung einlegen.

Das Auffliegen des Organspendeskandals in Göttingen hatte 2012 weitreichende Folgen. An mehreren deutschen Kliniken waren Manipulationen aufgedeckt worden, wodurch das Vertrauen in die Transplantationsmedizin nachhaltig erschüttert wurde.

In dem Fall war auch ein Transplantationsarzt wegen versuchten Totschlags angeklagt. Er wurde freigesprochen und erhielt mehr als eine Million Euro Schadensersatz.

ptz/dpa/AFP
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