Gestohlene Gold-Toilette Künstler hofft auf "von Robin Hood inspirierte" Täter

"Wer ist so dumm, eine Toilette zu klauen?": Der italienische Aktionskünstler Maurizio Cattelan hat sich zum Diebstahl seines Werks "America" geäußert. Von dem wertvollen Goldklo fehlt noch immer jede Spur.

Diese Kunstinstallation namens "America" ist voll funktionsfähig - und war bis vor Kurzem im Blenheim Palace ausgestellt
Leon Neal/ Getty Images

Diese Kunstinstallation namens "America" ist voll funktionsfähig - und war bis vor Kurzem im Blenheim Palace ausgestellt


Nach dem Diebstahl einer Toilette aus Gold in Großbritannien hat der Künstler des Werks die Hoffnung geäußert, es handele sich um eine "von Robin Hood inspirierte Aktion". Er habe die Tat zunächst für einen Streich gehalten, sagte der italienische Künstler Maurizio Cattelan der Zeitung "New York Times". "Wer ist so dumm, eine Toilette zu klauen? Ich hatte für eine Sekunde vergessen, dass sie aus Gold besteht."

Das Werk "America" war in der Nacht zum Samstag aus dem Blenheim Palace in der englischen Grafschaft Oxfordshire gestohlen worden. Am Tatort in dem über 300 Jahre alten Palast in der Grafschaft Oxfordshire entstand "erheblicher Schaden und eine Überschwemmung", wie die Polizei mitteilte.

Die Polizei nahm nach eigenen Angaben am Samstag einen 66-jährigen Verdächtigen fest. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass mehrere Täter an dem Diebstahl beteiligt waren und mindestens zwei Fahrzeuge nutzten. Das Kunstwerk wurde bisher nicht wiedergefunden.

Blenheim Palace: Das Schloss in der Nähe von Oxford ist der Geburtsort des früheren Premierministers Winston Churchill
Leon Neal/ Getty Images

Blenheim Palace: Das Schloss in der Nähe von Oxford ist der Geburtsort des früheren Premierministers Winston Churchill

Der Künstler hatte über sein Goldklo gesagt, dies sei "Ein-Prozent-Kunst für die 99 Prozent" (der Bevölkerung). "Ich hoffe, es ist immer noch so", sagte Cattelan der Zeitung. "Ich will positiv sein und denken, dass der Raub eine Art von Robin Hood inspirierte Aktion ist." Dass sie also jemand geklaut habe, um Ärmeren etwas von dem Gewinn abzugeben.

Der Geschäftsführer des Blenheim Palace, Dominic Hare, gab unterdessen bekannt, dass die Toilette auf einen Wert von fünf bis sechs Millionen Dollar geschätzt wird, das sind umgerechnet etwa 4,5 bis 5,4 Millionen Euro. Zuvor war der Wert mit umgerechnet 1,13 Millionen Euro angegeben worden. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Diebe das Kunstwerk einschmelzen, sagte er dem Sender BBC.

Das Goldklo war ab September 2016 schon im New Yorker Guggenheim Museum ausgestellt gewesen. Dort war es in einen Toilettenraum eingebaut worden und durfte über viele Monate von den Besuchern benutzt werden. Davor bildeten sich stets lange Warteschlangen.

Das Klo wurde laut "Washington Post" auch US-Präsident Donald Trump als Leihgabe angeboten. Die für Gestaltung im Weißen Haus zuständige Kuratorin hatte demnach beim Guggenheim angefragt, ob das Gemälde "Landschaft im Schnee" des niederländischen Malers Vincent van Gogh als Leihgabe verfügbar sei. Das Museum habe dies abgelehnt und stattdessen in Absprache mit dem Künstler die Toilette angeboten. "Sie ist natürlich sehr wertvoll und etwas zerbrechlich, aber wir würden alle Anleitungen zur Installation und Pflege bieten", zitierte die Zeitung aus einem Schreiben des Museums an das Weiße Haus.

aar/AFP/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
der Pöter 16.09.2019
1. keine Gnade
wer so ein Ding der Öffentlichkeit präsentiert und diese auch noch benutzen lässt ist selber schuld. Mit vernünftiger Überwachung würde die Schüssel immer noch da stehen.
ted211 16.09.2019
2. Installation
Bei der Gold-Toilette handelt es sich doch eher um eine Installation und nicht ein Kunstwerk. Der Erschaffer ist dann auch ein Installateur, nicht Künstler.
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