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21. November 2008, 19:39 Uhr

Goldgrube Golf von Aden

Piraten haben schon 150 Millionen Dollar erpresst

Die Freibeuterei im Golf von Aden ist lukrativ: Somalische Piraten haben laut Kenias Regierung binnen zwölf Monaten mehr als 150 Millionen Dollar erpresst. Fachleute warnen: Wer zahlt, heizt das Geschäft noch an. Die Täter selbst haben eine kuriose Begründung für ihre hohen Forderungen.

Nairobi - Sie fühlen sich ermutigt, machen weiter und werden immer dreister: der kenianische Außenminister Moses Wetangula warnt Eigner entführter Schiffe ausdrücklich davor, auf die Forderungen von Piraten einzugehen.

Denn für die Täter ist die Piraterie ein Riesengeschäft: Somalische Freibeuter haben nach kenianischen Regierungsangaben in den vergangenen zwölf Monaten Lösegeldzahlungen von mehr als 150 Millionen Dollar (knapp 120 Millionen Euro) erhalten.

Die somalischen Piraten haben sich ihrerseits einer Zeitung zufolge über die horrenden Kosten beschwert, die mit der Entführung des saudi-arabischen Supertankers verbunden gewesen seien. Die Verschleppung der "Sirius Star" habe 500.000 Dollar verschlungen, sagte Dschamii Adam der arabischen Zeitung "Asharq al-Awsat". Der Betrag sei für Gehälter und Hinweise ausgegeben worden. Daher sei das geforderte Lösegeld auch keineswegs überzogen.

Wie viel die Piraten für die Rückgabe des Öltankers verlangen, verriet er nicht. Medien berichteten über eine Summe von 25 Millionen Dollar. Der Betrag ist nicht bestätigt worden.

Saudi-Arabien bekräftigte derweil seine Entschlossenheit, keine Verhandlungen mit den Entführern aufzunehmen. Was die Schiffseigner unternehmen würden, sei deren Sache, erklärte Außenminister Prinz Saud Bin Faisal bei einem Besuch in Oslo. Er rief dazu auf, die Piraten, die er mit Terroristen verglich, "auszumerzen". Die "Sirius Star" mit Rohöl im Wert von hundert Millionen Dollar an Bord ist eines von insgesamt acht Schiffen mit mehreren hundert Besatzungsmitgliedern, die in den vergangenen zwei Wochen im Golf von Aden entführt wurden.

Angesichts der gefährlichen Lage trotz der wachsenden internationalen Flottenpräsenz erwägen immer mehr Reedereien, die Wasserstraße vor der somalischen Küste zu meiden. Stattdessen soll auf dem Weg von Asien nach Europa das südafrikanische Kap der Guten Hoffnung umfahren werden. Das Unternehmen Frontline, das jeden Monat bis zu zehn Öltanker durch den Golf von Aden schickt, warnte allerdings davor, dass ein solcher Umweg die Transportkosten für Öl um 40 Prozent verteuern würde. Eine Entscheidung soll in der kommenden Woche fallen.

Experten zufolge werden sich ferner die Versicherungsprämien für den Schiffsverkehr erhöhen. Bislang sei es undenkbar gewesen, dass Piraten ein Schiff vom Ausmaß der "Sirius Star" in ihre Gewalt bringen könnten, erklärte Brendan Flood, Risikoprüfer des britischen Spezialversicherers Hiscox. "Das Ganze hat nun eine neue Ebene erreicht." Konkrete Zahlen über die möglichen Prämienverteuerungen wurden nicht genannt.

Das Bundesverteidigungsministerium forderte zur Bekämpfung der Piraterie auf hoher See die Einrichtung eines eigenen internationalen Strafgerichtshofs. Da die Zuständigkeit bestehender Gerichte nicht ausreiche, müsse man einen neuen Uno-Gerichtshof schaffen, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Christian Schmidt (CSU) der "Berliner Zeitung".

ffr/AP/Reuters

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