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11. April 2009, 08:43 Uhr

Golf von Aden

Piraten scheitern mit Hilfsaktion für Komplizen

Waghalsige Manöver auf hoher See: Somalische Piraten haben versucht, mit einem gekaperten deutschen Frachter die vor Somalia operierenden US-Kriegsschiffe zu behindern und so ihren Komplizen zu helfen. Doch die Freibeuter mussten schließlich abdrehen - sie fanden ihre Kameraden nicht.

Nairobi - Den Seeräubern gelang es nicht, ihren auf hoher See in einem Rettungsboot treibenden Komplizen mit dem gekaperten deutschen Containerschiff zur Hilfe zu kommen. "Wir sind wieder an der Küste. Wir haben das Rettungsboot nicht finden können", sagte einer der Piraten an Bord der "Hansa Stavanger". "Wir hätten uns fast verirrt."

Die Piraten wollten den 20.000-Tonnen-Frachter als eine Art Schutzschild zwischen das Rettungsboot, in dem sich auch ein entführter US-Kapitän befindet, und die vor Ort inzwischen eingetroffenen amerikanischen Kriegsschiffe steuern.

Die vier Piraten auf dem Rettungsboot, das hilflos auf dem Indischen Ozean treibt, haben zwei Millionen Dollar Lösegeld für ihre Geisel, den US-Kapitän Richard Phillips, gefordert sowie ihre eigene Sicherheit. Nun wollen sich auch somalische Stammesältere in die Verhandlungen zwischen Piraten und US-Vertretern einschalten.

Dabei hatten zunächst noch alle Zeichen auf Konfrontation gestanden. Entführer des 53-jährigen Phillips drohen mit der Ermordung des Frachterkapitäns, sollten sie angegriffen werden. Diese Gefahr ist durchaus real, befindet sich doch außer dem US-Zerstörer "USS Bainbridge" mittlerweile ein zweites Kriegsschiff vor Ort.

US-Fregatte eingetroffen

Pentagon-Sprecher Bryan Whitman sagte am Freitagnachmittag, die Fregatte "USS Halyburton" sei inzwischen in dem betreffenden Gebiet im Indischen Ozean eingetroffen. Der Militärsprecher wollte allerdings nicht genau sagen, wie weit das neue Kriegsschiff von dem Boot mit dem entführten Kapitän entfernt ist.

Laut einem US-Regierungsvertreter, der ungenannt bleiben wollte, hat die "USS Halyburton" Hubschrauber an Bord. Etwas weiter entfernt vom Ort des Geschehens hält sich auch das Amphibienschiff "USS Boxer" auf, das nach CNN-Angaben über eine größere Krankenstation verfügt. Auch ein US-Aufklärungsflugzeug hat die Region überflogen.

Am nächsten bei den Piraten ist aber noch immer die "USS Bainbridge". Nach Angaben der Reederei Maersk ist sie in Sichtweite des Rettungsbootes mit dem entführten Kapitän. In diesem sitzen vier somalische Piraten, die am Mittwoch das Containerschiff "Maersk Alabama" angegriffen hatten. Nachdem der Überfall 500 Kilometer vor der somalischen Küste misslungen war, hatten sie den Kapitän in ihre Gewalt gebracht und waren mit dem Rettungsboot geflohen, dem inzwischen aber das Benzin ausgegangen ist.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums gelang es Phillips, kurzzeitig aus dem Rettungsboot zu fliehen. Schwimmend habe er versucht, zur "USS Bainbridge" zu gelangen, sei aber von den Piraten wieder eingefangen worden. Zu Schaden soll er dabei nicht gekommen sein. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte mit Blick auf die Entführung des US-Kapitäns: "Wir sind tief besorgt und verfolgen die Situation genau." Justizminister Eric Holder betonte, das Verhandlungsteam des FBI arbeite eng mit der Marine zusammen, um ein Ende der Geiselnahme ohne Blutvergießen zu gewährleisten.

"Versuch eines Geiselbefreiung"

Wie man eine Geiselnahme auf hoher See bewältigen soll, ist offenbar auch den Militärs nicht vollkommen klar. "Der Versuch einer Geiselbefreiung wäre etwas völlig anderes, als einen Akt der Piraterie zu verhindern", sagte Konteradmiral Ted Branch im Februar bei einer Anhörung des US-Kongresses. "Man erhöht mit Sicherheit das Risiko für die Besatzungsmitglieder." Deshalb habe man sich bisher nicht darum gerissen, solche Einsätze durchzuführen.

Auch Peter Chalk von der Rand Corporation rät von gewaltsamen Geiselbefreiungen ab. Stattdessen solle man besser die Piratenstützpunkte an Land angreifen. Die derzeit laufende Entsendung zusätzlicher Kriegsschiffe hält er für das falsche Vorgehen. "Damit haben wir zur Eskalation beigetragen", sagte Chalk dem "Wall Street Journal". Allerdings räumte er ein, dass die US-Regierung angesichts des öffentlichen und politischen Drucks kaum eine andere Wahl gehabt habe.

Gekaperte Schiffe sollen Piraten helfen

Die Piraten versuchen nach Angaben von Gewährsmännern an Land, den Kapitän an Land zu bringen. Dort versprechen sie sich eine bessere Ausgangsposition für Verhandlungen. Dazu haben sie mehrere bereits entführte Schiffe zu Hilfe gerufen. Zu den Frachtern, die sich auf dem Weg zu dem Rettungsboot befinden, soll auch das entführte deutsche Schiff "Hansa Stavanger" gehören. An Bord dieses gekaperten Frachters befinden sich 24 Besatzungsmitglieder - fünf Deutsche, drei Russen, zwei Ukrainer, zwei Philippiner und zwölf Staatsbürger von Tuvalu. Auf den drei anderen ausländischen Schiffen befinden sich ebenfalls Geiseln aus mehreren Ländern.

Die Piraten könnten die Geiseln als menschliche Schilde benutzen, um sicherzustellen, dass sie von den heranrückenden US-Militärs nicht gefangen genommen oder getötet werden. Die Bundesregierung hatte nach Informationen des SPIEGEL vor, die "Hansa Stavanger" von der GSG 9 stürmen zu lassen. Die Aktion wurde jedoch kurzfristig abgeblasen. Die Piraten konnten sich und ihre Beute zu schnell in Sicherheit bringen.

Im Golf von Aden haben französische Truppen am Freitag das gekaperte Segelschiff "Tanit" gestürmt. Nach Angaben aus dem französischen Präsidialamt kam dabei eine Geisel ums Leben. Die vier weiteren Passagiere, darunter ein Kind, seien befreit worden. Bei der Aktion seien zwei Piraten getötet worden. Zuvor habe es bei Verhandlungen mit den Entführern keine Erfolge gegeben. Die Seeräuber hätten jedoch am Freitag ihre Drohungen verstärkt, das Segelboot sei außerdem in Richtung Küste getrieben. Daher sei ein Militäreinsatz zur Befreiung der Geiseln beschlossen worden, teilte der Elysée-Palast mit.

Unterdessen vermeldeten die Eigentümer eines norwegischen Tankers die Freilassung des entführten Schiffes. Ein Sprecher des Unternehmens Salhus Shipping AS bestätigte Berichte darüber, dass die "MT Bow Asir" freigelassen wurde. Ein Piratensprecher erklärte, für Schiff und die 27-köpfige Besatzung seien 2,4 Millionen Dollar Lösegeld gezahlt worden.

jdl/Reuters/dpa/AP

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