Gottesdienst für toten Jungen 1200 Menschen nehmen Abschied von Mirco

Vor genau fünf Monaten verschwand der zehnjährige Mirco, vor einer Woche gestand sein mutmaßlicher Mörder. Jetzt nahmen die die Menschen bei einem Gottesdienst in der Niederrhein-Gemeinde Grefrath Abschied. Doch der Alltag will in der Kleinstadt noch nicht so ganz wiederkehren.


Grefrath - Rote Grablichter leuchten vor der Laurentius-Kirche im niederrheinischen Grefrath. Daneben haben Trauernde einen Teddy-Bären gelegt. "Wir werden dich niemals vergessen", liest ein kleines Mädchen seiner Freundin vor. Der Satz steht auf einem Schild mit Mircos Bild. An einem Faden hält das Mädchen einen weißen Luftballon, darauf ein Wunsch: "Ruhe in Frieden".

Glockengeläut, danach ist es still auf dem Marktplatz neben der Kirche. Mit einem ökumenischen Gottesdienst nehmen etwa 1200 Angehörige, Nachbarn, Freunde und Mitschüler am Donnerstagabend Abschied von dem getöteten Mirco. Vor genau fünf Monaten - am 3. September 2010 - war der Zehnjährige verschwunden.

"Damals hatten wir noch Hoffnung, Mirco lebend wiederzusehen", sagt Manfred Lommetz, Bürgermeister des 16.000-Einwohner-Städtchens Grefrath. Eine Hoffnung, die spätestens vergangene Woche erlosch. Seitdem sitzt Mircos mutmaßlicher Mörder in Untersuchungshaft.

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Gottesdienst für Mirco: Eine Stadt trauert
Auf den Marktplatz - dorthin wird der Gottesdienst aus der kleinen Laurentius-Kirche übertragen - sind auch Menschen gekommen, die Mirco gar nicht kannten. Ina Koritnik zum Beispiel. Die 29-Jährige ist aus Marl im Kreis Recklinghausen ins fast 100 Kilometer entfernte Grefrath gekommen. "Der Fall hat mich von Anfang an sehr berührt", sagt sie. Vielleicht fühlt sie sich auch deshalb so betroffen, weil sie vier Kinder hat - das älteste davon wird bald neun Jahre alt, fast so alt, wie der kleine Mirco war.

"So etwas vergisst man nicht"

Verteilt über den Markt stehen 20 Notfallseelsorger bereit, um für die Trauernden da zu sein. Die Menschen sind aber gefasst. Ab und zu schnäuzen die Leute in ihre Taschentücher - es könnte auch an der Kälte liegen. Einige der Versammelten halten Kerzen in der Hand, mit der anderen Hand schützen sie die Flamme vor dem leichten Wind, der an diesem kalten Winterabend weht.

Eine Sparkasse, eine kleine Buchhandlung, ein Eiscafé. Ein Mann fährt kurz vor Beginn des Gottesdienstes mit dem Fahrrad am Markt vorbei und hält seinen Hund an der Leine. Kleinstadt-Idylle. Trotzdem schreiben Mircos Eltern in einem Brief, der in ihrer Abwesenheit verlesen wird: "Grefrath war nicht mehr das Grefrath, das wir aus Kindertagen kannten." Monatelang habe in dem Ort Angst geherrscht. Hubschrauber seien gekreist, Kamerateams durch die Straßen gezogen.

Vom Alltag ist Grefrath immer noch weit entfernt. "Ich denke nicht, dass wir jetzt schon abschließen können", sagt die 15-jährige Vivien. Sie besucht die Gemeinschaftshauptschule Grefrath, auf der auch Mirco war. "So etwas vergisst man nicht", ergänzt die ebenfalls 15 Jahre alte Pinar mit Blick auf die Geschehnisse.

Völlig abschließen können die Grefrather schon allein deshalb nicht, weil Mircos Beerdigung erst bevorsteht. Man möge die Beisetzung nicht stören, bittet der Bürgermeister. Sie soll zu einem bisher unbekannten Zeitpunkt im engsten Familien- und Freundeskreis stattfinden.

Von Michael Kieffer, dpa



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jensadolf 04.02.2011
1. Nu was is?
Was führ eine Gesellschaft. Da kommt dieser Mensch ins Zuchthaus. Ich würde eher sagen wer so etwas tut ist kein Mensch und Rübe ab aus die Maus. Zuchthaus ist keine Strafe. 25 Jahre wird er bekommen jeden Tag essen trinken zwar unendliche Langweile aber er wird leben. Für die Elter des Jungen für seine Frau und die Kinder alle Leute in seiner ehemaligen Umgebung wird jeder einzelne Tag die Hölle sein. Nee eher gehenkt als mit so einer Schande leben.
mm01 04.02.2011
2. ....
Zitat von sysopVor genau fünf Monaten verschwand der zehnjährige Mirco. Jetzt nahmen die die Menschen bei einem Gottesdienst in der Niederrhein-Gemeinde Grefrath Abschied. Doch der Alltag will in der Kleinstadt noch nicht so ganz wiederkehren. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,743478,00.html
Der Alltag wird nach dieser Tragik weder in der Kleinstadt, noch bei den bemitleidenswerten Eltern des Mirco wiederkehren. Mein tiefstes Mitgefühl für die Angehörigen. Leider hatte ich auch die sog. Pressekonferenz der ermittelnden Beamten verfolgt. Der verzweifelte Versuch, den Mörder dieses Kindes mit Stressfaktoren zu entschuldigen und zu verteidigen, war mehr als unangebracht und unerträglich.
MonaM 04.02.2011
3. Die Last der Schuld
Zitat von jensadolfWas führ eine Gesellschaft. Da kommt dieser Mensch ins Zuchthaus. Ich würde eher sagen wer so etwas tut ist kein Mensch und Rübe ab aus die Maus. Zuchthaus ist keine Strafe. 25 Jahre wird er bekommen jeden Tag essen trinken zwar unendliche Langweile aber er wird leben. Für die Elter des Jungen für seine Frau und die Kinder alle Leute in seiner ehemaligen Umgebung wird jeder einzelne Tag die Hölle sein. Nee eher gehenkt als mit so einer Schande leben.
Doch, Gefängnis (Zuchthaus gibt es nicht mehr) ist schon eine Strafe, gerade bei derart schweren, grausamen Straftaten. Der Täter muss mit der Last seiner Schuld weiterleben - und diese Qual hat er auch verdient. Würde man ihn hinrichten, wäre er sie los. Allerdings haben Gefängnisstrafen für Kapitalverbrecher einen Haken: die Tatsache, dass sie irgendwann wieder frei sein werden, ist gerade bei ihnen schwer zu ertragen. Ich wünschte mir für Mord eine deutlich höhere Regelstrafe und bei - wie hier - besonders schwerer Schuld eine wirklich lebenslange Haft.
sarobri 04.02.2011
4. Traurig, betrofffen, wütend
Zitat von jensadolfWas führ eine Gesellschaft. Da kommt dieser Mensch ins Zuchthaus. Ich würde eher sagen wer so etwas tut ist kein Mensch und Rübe ab aus die Maus. Zuchthaus ist keine Strafe. 25 Jahre wird er bekommen jeden Tag essen trinken zwar unendliche Langweile aber er wird leben. Für die Elter des Jungen für seine Frau und die Kinder alle Leute in seiner ehemaligen Umgebung wird jeder einzelne Tag die Hölle sein. Nee eher gehenkt als mit so einer Schande leben.
Stellt man sich damit nicht auf eine genau gleiche Stufe wie der Mörder ? Gleiches mit gleichem vergelten ? Sicherlich bin ich der Meinung, dass so ein Mensch NIE MEHR auf die Öffentlichkeit losgelassen werden darf (so traurig das vermutlich auch für seine eigenen Kinder/Familie) sein mag, und dass es für solche Menschen (denn trotz allem ist er Mensch) eine minimaliste Unterbringung und Versorgung in einem Gefängnis geben sollte. Ja klar zahlen wir Steuerzahler das, aber dann zahl ich lieber meinen Anteil daran, als dass so jemand draussen frei herum läuft. Was mich persönlich besonders wütend an dieser Tat macht, ist der Auslöser für den Mord an Mirko .... "Stress mit dem Chef ... der Mörder wollte auch mal Macht haben ...." Der Täter wird sich wundern wieviel Macht plötzlich andere wie Justiz, Mitgefangene (Kinderschänder sind nicht sonderlich beliebt in Gefängnissen) etc. über ihn haben ...
Toe Jam 04.02.2011
5. no title
Zitat von jensadolfWas führ eine Gesellschaft. Da kommt dieser Mensch ins Zuchthaus. Ich würde eher sagen wer so etwas tut ist kein Mensch und Rübe ab aus die Maus. Zuchthaus ist keine Strafe. 25 Jahre wird er bekommen jeden Tag essen trinken zwar unendliche Langweile aber er wird leben. Für die Elter des Jungen für seine Frau und die Kinder alle Leute in seiner ehemaligen Umgebung wird jeder einzelne Tag die Hölle sein. Nee eher gehenkt als mit so einer Schande leben.
Sehe ich anderes. Für Mircos Mörder wird das Leben im Knast kein Zuckerschlecken, das ist sicher. Beim 'nach der Seife bücken' wird kein Wächter in der Nähe sein. 15 Jahre lang, macht Mirco nicht wieder lebendig, wird aber eine prägender Lebensabsschnitt in des Täters Leben sein, wenn er jeden Tag zu spüren bekommt, wie es ist, wenn andere "um Druck abzubauen" Macht über ihn ausüben. Und während Mircos Eltern in Ihrem Glauben die Möglichkeit gefunden haben, die Last loszuwerden und vielleich sogar eines Tages vergeben können, wird der Mörder die Last wahrscheinlich bis zum Ende tragen müssen.
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