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10. Mai 2016, 12:24 Uhr

Bayern

Angreifer von Grafing hatte offenbar psychische Probleme

Der Messerangreifer von Grafing hatte offenbar psychische Probleme und Drogenprobleme, teilte der bayerische Innenminister Herrmann mit. Ersten Ermittlungen zufolge hat die Tat keinen islamistischen Hintergrund.

Paul H. hat laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann eingeräumt, am Bahnhof Grafing vier Personen mit einem Messer angegriffen zu haben. Der 27-Jährige aus Hessen hat ersten Ermittlungen zufolge offenbar psychische Probleme und auch Drogenprobleme.

H. hat Ermittlern zufolge an dem Pendlerbahnhof östlich von München einen 56-Jährigen mit einem Messer tödlich verwundet und drei weitere Männer im Alter von 43, 55 und 58 Jahren verletzt. Die Überlebenden sind im Krankenhaus. Der Angreifer habe wahllos um sich gestochen, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

Bei Staatsschutz und Verfassungsschutz war H. vor der Tat nicht in Erscheinung getreten. Allerdings soll er erst am Sonntag bei einer Techno-Demo mit Drogen erwischt worden sein. Die habe er "massiv konsumiert", heißt es. Auch zu anderen Gelegenheiten soll H. als Drogenkonsument auffällig geworden sein.

H. griff Ermittlern zufolge zunächst in einer S-Bahn den 56-Jährigen mit einem Messer mit zehn Zentimeter langer Klinge an und verletzte ihn so schwer, dass dieser später starb. Auf dem Bahnsteig griff H. eine weitere Person an. Schließlich attackierte er auf dem Bahnhofsvorplatz zwei Radfahrer, die offenbar die ersten Gewalttaten bemerkt hatten und helfen wollten.

Aus Ermittlerkreisen verlautete, es gebe Videoaufnahmen vom Bahnsteig und aus der S-Bahn, die nun ausgewertet würden. Die per Notruf alarmierte Polizei war nach eigenen Angaben binnen weniger Minuten mit zwei Beamten am Tatort und stellte den Tatverdächtigen in der Nähe des Bahnhofs. Auf die Ermittler machte H. offenbar einen verwirrten Eindruck. Er verhalte sich in Vernehmungen völlig unkooperativ. "Der macht zu", werden mit dem Fall befasste Beamte zitiert.

Ein klar erkennbares Motiv gibt es bislang nicht. Zeugen hatten berichtet, der Täter habe "Allahu-Akbar" gerufen, die Polizei konnte dies allerdings nicht bestätigen. Nach Angaben der Ermittler sagte Paul H. aber, er wolle Ungläubige töten.

Für 15 Uhr hat das Bayerische Landeskriminalamt eine Pressekonferenz zu dem Fall angekündigt.

jdl/bhe/ulz/AFP/Reuters

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