Schüsse in Grasse "Die irre Tat eines labilen Jugendlichen, der von Waffen fasziniert ist"

In einer Schule im südfranzösischen Grasse eröffnete ein Teenager das Feuer. 14 Menschen wurden verletzt. Mitschüler und Politiker reagieren schockiert - und ratlos.


Eigentlich ist Grasse vor allem für seinen Geruch berühmt. In Patrick Süskinds Roman "Das Parfum" pilgert Protagonist Grenouille in die "Welthauptstadt des Parfüms". Nun hat der Ort mit 50.000 Einwohnern eine neue traurige Berühmtheit erlangt.

Ein Teenager eröffnete am Donnerstagvormittag schwer bewaffnet das Feuer im Lycée Alexis de Tocqueville. Der Jugendliche soll 16 Jahre alt sein, zuvor hatten die Behörden sein Alter mit 17 angegeben. Laut Staatsanwaltschaft wurden bei dem Angriff in dem Gymnasium vier Menschen von Kugeln getroffen sowie zehn weitere verletzt, als sie ihn Panik flohen; einige erlitten einen Schock. Zuvor war von insgesamt acht Opfern die Rede gewesen.

Unter den Angeschossenen ist offenbar der Leiter des Gymnasiums, der eingegriffen haben soll, nachdem der mutmaßliche Täter auf zwei Mitschüler geschossen hatte. Die französische Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem sagte, der Schuldirektor habe durch sein "heldenhaftes" Eingreifen Schlimmeres verhindert. Er habe sich auf den jungen Mann gestürzt, als dieser eine Waffe zog und um sich schoss.

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Schüsse in Gymnasium: Großeinsatz in Grasse

Es handele sich um "die irre Tat eines labilen Jugendlichen, der von Waffen fasziniert ist". Vallaud-Belkacem hatte die Schule nach dem Angriff besucht, um sich mit der Belegschaft zu treffen und den Schülern psychologische Hilfe zuzusichern. "Die weiteren Ermittlungen werden ergeben, ob der Angreifer Hilfe von einem Komplizen bekam", fügte sie hinzu.

Die Polizei hatte den Schüler des Gymnasiums festgenommen, nachdem er offenbar mit einem Jagdgewehr geschossen hatte. Er soll zudem noch eine Pistole, einen Revolver und zwei Handgranaten bei sich gehabt haben.

Ein Schüler sagte dem Sender BFM TV: "Es herrschte totale Panik. Die Schüsse fielen vier bis fünf Meter von uns entfernt. Wir dachten, der Schütze käme zu uns, wir hörten ihn rufen." Der mutmaßliche Täter habe schlechte Beziehungen zu seinen Mitschülern gehabt, sagte Staatsanwältin Fabienne Atzori in Grasse. "Es gibt keinen Hinweis auf Terrorismus." Laut einem Sprecher des Innenministeriums hatte sich der Jugendliche Videos von Amokläufen in den USA angeschaut.

Der Präsident der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côtes d'Azur, Christian Estrosi, sprach von Hinweisen auf "psychologische Probleme" des Täters. Der 16-Jährige war nicht polizeibekannt und handelte offenbar allein. Zunächst war noch von einem zweiten Täter die Rede gewesen.

"Er war freundlich und still, kein fieser Typ"

Die Behörden hatten nach den Schüssen zunächst über eine Handy-App eine Anschlagswarnung verbreitet. Menschen in der Gegend wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Die Polizei riegelte die Schule mit einem Großaufgebot ab, auch Beamte der Sondereinheit Raid rückten an.

Die Stadtverwaltung von Grasse teilte mit, nach den Schüssen sei Panik ausgebrochen. Einige Schüler seien weggerannt und hätten in einem nahegelegenen Supermarkt Zuflucht gesucht. Auch das habe dazu geführt, dass Gerüchte über einen Anschlag die Runde gemacht hätten.

Die Tat trifft Frankreich in einem Zustand hoher Alarmbereitschaft, nachdem in den vergangenen zwei Jahren mehr als 230 Menschen durch Anschläge der Terrororganisation "Islamischer Staat" getötet wurden.

"Ich kannte den Schützen nur vom sehen", sagte ein Jugendlicher in einem Interview über seinen Mitschüler. "Er war freundlich und still, kein fieser Typ."

cnn/mxw/Reuters/AP/dpa/AFP



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