Grausige Exekution in Florida Aufruhr gegen Hinrichtungen mit der Giftspritze

Seine Henker in einem US-Gefängnis in Florida setzten die Giftspritzen falsch - 34 Minuten lang rang Angel Nieves Diaz mit dem Tod. Alle weiteren Exekutionen in Florida wurden jetzt wegen des Falls ausgesetzt. Zeitgleich verurteilte ein Richter in Kalifornien die Hinrichtung mit der Giftspritze als verfassungswidrig.


Washington - Die Henker hatten die Spritzen mit dem tödlichen Gift so tief in die Venen des 55-Jährigen Diaz gestoßen, dass sie in weiches Gewebe drangen. Deshalb verteilte sich das Gift in seinem Körper besonders langsam - der Todeskampf dauerte doppelt so lange wie normal. Das Gift sei nahe den Ellbogen in den Arm gespritzt worden, sagte der obduzierende Arzt. Ob Diaz einen qualvollen Tod gestorben sei, könne erst eine abschließende Autopsie klären.

Grausam langer Todeskampf: Hingerichteter Mörder Diaz
REUTERS

Grausam langer Todeskampf: Hingerichteter Mörder Diaz

Angel Nieves Diaz war vor 27 Jahren zum Tode verurteilt worden. Er hatte eine Stripbar-Angestellte ermordet.

Der Gouverneur von Florida, Jeb Bush, hat jetzt nach Bekanntwerden des Falls alle weiteren Exekutionen in dem US-Bundesstaat vorerst ausgesetzt. "Wegen der ungewöhnlichen langen Zeit, die es brauchte, um den Vorgang zu beenden", sei eine Untersuchung angebracht, sagte der Bruder von US-Präsident George W. Bush.

Florida hatte im Jahr 2000 Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl gestoppt, nachdem zwei Todeskandidaten bei der Hinrichtung Feuer gefangen hatten.

Parallel zu Bushs Entscheidung erklärte ein Bundesrichter in Kalifornien die Hinrichtung per Giftspritze heute für verfassungswidrig. Die Methode verstoße gegen das in der Verfassung festgeschriebene Verbot von grausamen und ungewöhnlichen Strafen. "Das Problem kann gelöst werden, durch eine andere Methode", sagte er. Im Detail zählte der Richter als Misstände bei der Hinrichtung mit der Giftspritze auf:

  • Mängel bei Kontrolle und Training der Henker,
  • unzuverlässige Aufzeichnung der Hinrichtungen,
  • unangemessene Vorbereitung und Aufsicht über das tödliche Gift,
  • unangemessene Beleuchtung, Überfüllung und generell eine schlechte Einrichtung der Hinrichtungsstätten.

Schon im November hatte ein Richter im Staat Missouri die Methode als verfassungswidrig eingestuft. Die Hinrichtung mit der Giftspritze wird in 37 Staaten der USA bevorzugt eingesetzt.

kai/dpa/AP



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