Großbrand in Pakistan Fabrikbesitzer des Mordes beschuldigt

Hunderte Menschen starben beim Brand in einer pakistanischen Textilfabrik - dafür sollen sich die drei Fabrikbesitzer und die Geschäftsführung wegen Mordes verantworten. Sie sollen die Sicherheit der Arbeiter vernachlässigt haben.

Ausgebrannte Fabrik: Trauer in Karatschi
AFP

Ausgebrannte Fabrik: Trauer in Karatschi


Karatschi - Nach dem verheerenden Brand in einer Textilfabrik im pakistanischen Karatschi hat die Polizei die drei Besitzer und ihr Management des Mordes beschuldigt. Ihnen werde vorgeworfen, sich nicht um die Sicherheit der Arbeiter gekümmert zu haben, hieß es von der Polizei. Die Fahndung nach den Männern dauere an.

Bei dem Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi waren 258 Menschen getötet worden. Zunächst waren die Behörden von fast 300 Toten ausgegangen, korrigierten diese Angabe aber. Offenbar waren Leichen doppelt gezählt worden. Das Feuer war am Dienstagabend ausgebrochen und brannte bis weit in den Mittwoch hinein.

Die meisten Opfer erstickten offenbar, weil es weder Notausgänge noch Brandschutzvorkehrungen gab und die Fenster vergittert waren. Aussagen der Feuerwehr zufolge war die Fabrik in baulich schlechtem Zustand. Die Arbeiter waren ohne ausreichende Belüftung in viel zu kleinen Sälen zusammengepfercht, alle Ausgänge außer dem Haupteingang waren verriegelt.

Karatschi gedenkt der Opfer

Nach Angaben eines pakistanischen Unternehmerverbandes unterhielt die Firma auch Geschäftsbeziehungen ins westliche Ausland. Einzelheiten wie die Namen von Partnerfirmen wurden jedoch nicht bekannt.

Die Regierung der Provinz Sindh beauftragte einen ehemaligen Richter mit der Untersuchung der Katastrophe. Sollte sich herausstellen, dass auch Regierungsvertreter eine Mitverantwortung tragen, droht ihnen nach Polizeiangaben ebenfalls ein Verfahren wegen Mordes. Mit ersten Ergebnissen der Untersuchung rechnen die Behörden demnach in etwa einer Woche.

Der Brand war einer der folgenschwersten in einem Industriebetrieb in der Geschichte des Landes. In Karatschi stand am Donnerstag zum Zeichen der Trauer um die Toten das öffentliche Leben still: Bahnen und Busse reduzierten ihren Betrieb auf ein Mindestmaß, Schulen, Fabriken und Geschäfte blieben geschlossen, auch in Büros wurde kaum gearbeitet. In der ganzen Stadt fanden Trauerzeremonien für die Opfer statt.

ulz/AFP/dpa/dapd



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