Geplanter Raubüberfall 1966 Polizistenmörder Harry Roberts kommt nach 48 Jahren frei

Einer der berüchtigsten Kriminellen Englands kommt frei: Der dreifache Polizistenmörder Harry Roberts wird nach 48 Jahren Haft entlassen. Die Polizei spricht von einem "Schlag ins Gesicht".


Es ist 48 Jahre her, doch das Trauma wirkt bis heute nach: Am 12. August 1966 erschoss eine Räuberbande drei unbewaffnete Polizisten im Londoner Stadtteil Shepherd's Bush. Die drei Täter wurden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

Nun soll der Rädelsführer Harry Roberts freikommen. Der inzwischen 78-Jährige stelle keine Gefahr für die Öffentlichkeit mehr dar, hat ein Bewährungsausschuss entschieden. In den kommenden Tagen darf er sein Gefängnis in Cambridge verlassen.

Die Nachricht sorgte für einen Aufschrei in Großbritannien. Die Boulevardpresse schäumt, dass der "Cop-Killer" bald wieder frei rumläuft. Polizeigewerkschafter fühlen sich von der Justiz hintergangen. Dieser Mann habe kaltblütig drei Polizisten ermordet, sagte Steve White, Chef der Polizeigewerkschaft von England und Wales. Seine Entlassung sei ein "Schlag ins Gesicht". John Tully, Chef der Londoner Polizeigewerkschaft, sprach von einem "totalen Betrug an der Polizei".

Die Polizistenmorde hatten die Briten damals tief erschüttert, Roberts wurde zu einem der meistgehassten Männer des Landes. Der Wiederholungstäter hatte bereits als Teenager begonnen, Geschäfte zu überfallen, und schreckte schon damals nicht vor Gewalt zurück. Später wurde er als Soldat der britischen Armee in Kenia und Malaysia zum ersten Mal mit dem Töten von Menschen konfrontiert.

Auf der Straße spielten Kinder

Am 12. August 1966 saß er mit seinen beiden Komplizen Jack Witney und John Guddy in einem Transporter in der Nähe des Londoner Gefängnisses Wormwood Scrubs. Sie bereiteten sich auf ihren nächsten Raubüberfall vor.

Als drei Polizisten in einem Zivilfahrzeug anhielten, um den Wagen zu überprüfen, gerieten die Räuber in Panik. Roberts eröffnete das Feuer mit seiner Luger-Pistole und tötete den 25-jährigen Beamten David Wombwell. Dann verfolgte er einen fliehenden Beamten, Christopher Head, und erschoss ihn ebenfalls. Der dritte Polizist, Geoffrey Fox, wurde von Duddy erschossen. All dies ereignete sich am helllichten Tag, auf der Straße spielten Kinder.

Während seine beiden Komplizen umgehend festgenommen wurden, konnte Roberts entkommen und sich verstecken. Scotland Yard leitete eine der größten Fahndungsaktionen seiner Geschichte ein. Drei Monate lang spielte Roberts Katz und Maus mit seinen Verfolgern. In seiner Armeezeit hatte er gelernt, im Freien zu überleben. Schließlich wurde er in einer selbst gebauten Höhle in der Grafschaft Herefordshire gestellt.

Ein Richter verurteilte ihn zu dreimal lebenslänglich. Bei der Urteilsverkündung sagte er zu Roberts, er könne sich nicht vorstellen, dass ein Innenminister ihn je freilassen werde. Tatsächlich ist es den Behörden schwergefallen. Roberts' Mindesthaftzeit von 30 Jahren war bereits 1996 abgelaufen, seither waren alle seine Entlassungsanträge abgelehnt worden.

Nun jedoch ließ sich das Argument, dass von ihm eine Gefahr ausgehe, offenbar nicht mehr aufrechterhalten. Die vergangenen Jahre hatte Roberts bereits in einem offenen Gefängnis mit regelmäßigem Freigang verbracht. Er ist der einzige überlebende Täter, die beiden Komplizen sind bereits verstorben.

Die Polizeivertreter werden die Entlassung hinnehmen müssen. Sie wollen jedoch sicherstellen, dass Polizistenmörder künftig nicht mehr nach einer Mindesthaftzeit entlassen werden können. Das Innenministerium müsse endlich das Gesetz ändern, forderte Gewerkschaftschef White. Um die Beamten im Dienst wirksam zu schützen, müsse lebenslänglich auch wirklich lebenslänglich heißen.



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