London Richter löst mit Aussage über "Menschenrecht auf Sex" Kontroverse aus

Hat ein Mann ein Recht auf Geschlechtsverkehr mit seiner Ehefrau? Diese Aussage eines britischen Richters stößt auf helle Empörung. "Keine Einwilligung = Vergewaltigung", sagen Kritiker.

An diesem Gericht in London, wird entschieden, ob einem Mann der Geschlechtsverkehr mit seiner Frau verboten wird.
Nick Ansell/ PA Wire/ picture alliance/ empics

An diesem Gericht in London, wird entschieden, ob einem Mann der Geschlechtsverkehr mit seiner Frau verboten wird.


Ein Richter in Großbritannien hat mit einer Aussage an einem Familiengericht Empörung ausgelöst: Ein Mann habe das "grundlegende Menschenrecht" auf Geschlechtsverkehr mit seiner Ehefrau, sagte Anthony Hayden in London, wie unter anderem der "Guardian" berichtete.

Das Paar ist demnach seit 20 Jahren verheiratet, die Frau hat eine Entwicklungsstörung. Weil ihr Zustand sich verschlechtert habe, hatten die Anwälte eines Sozialdienstes den Fall dem Bericht zufolge vor Gericht gebracht. Mitarbeiter des Dienstes gehen davon aus, dass sie nicht mehr in der Lage sei, frei zu entscheiden, ob sie Geschlechtsverkehr haben wolle oder nicht.

Die Anwälte forderten, eine gerichtliche Anordnung zu treffen, die dem Ehemann Geschlechtsverkehr mit der Frau verbietet. So solle sichergestellt werden, dass sie nicht vergewaltigt werde.

Bei einer vorbereitenden Anhörung in London wurde Richter Hayden dem "Guardian" zufolge mitgeteilt, dass der Mann bereit sei, sich zu verpflichten, keinen Geschlechtsverkehr mit seiner Frau zu haben. Der Richter sagte jedoch, er wolle die Beweise erst im Detail untersuchen, bevor er eine Entscheidung treffe. Der Mann könne in eine Situation geraten, in der ihm Gefängnis drohe, sollte er eine solche gerichtliche Verordnung oder Verpflichtungserklärung brechen.

"Ich kann mir kein offensichtlicheres grundlegendes Menschenrecht vorstellen als das Recht eines Mannes, Sex mit seiner Frau zu haben - und das Recht des Staats, das zu überwachen", sagte Hayden.

Für die Äußerung bekommt der 57-Jährige nun teils harsche Kritik. Die Labour-Abgeordnete Thangam Debbonaire twitterte: "Das legitimiert Frauenfeindlichkeit und Frauenhass." Kein Mann in Großbritannien habe das Recht, auf Geschlechtsverkehr zu bestehen. "Kein Einverständnis = Vergewaltigung", schrieb sie weiter.

In den kommenden Monaten soll es zu einer ausführlichen Anhörung in dem Fall kommen. Ein Urteil steht also noch aus.

bbr

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