Britischer Missbrauchsskandal Die wehrlosen Opfer des Jimmy Savile

Jimmy Savile war einer der prominentesten Moderatoren der BBC. Erst nach seinem Tod kam heraus, dass er über Jahrzehnte Kinder missbraucht hatte. Ein neuer Bericht enthüllt erschütternde Details.

Jimmy Saville (Archivbild 2006): Neuer Bericht, neue Details
Getty Images

Jimmy Saville (Archivbild 2006): Neuer Bericht, neue Details


London - Im Missbrauchsskandal um den verstorbenen BBC-Moderator Jimmy Savile ("Top of the Pops") sind weitere Fälle bekannt geworden. Ein Bericht im Auftrag der britischen Gesundheitsbehörde NHS legt der früheren BBC-Ikone zur Last, 63 Patienten, Mitarbeiter und Besucher eines von ihm finanziell unterstützten Krankenhauses sexuell missbraucht zu haben.

Saviles jüngstes Opfer im Stoke Mandeville Hospital nordwestlich von London sei acht Jahre alt gewesen, das älteste 40, erklärte die Leiterin der Untersuchung, Androulla Johnstone. Die Übergriffe reichten demnach von "unangemessenen Berührungen bis zu Vergewaltigung".

Obwohl es zehn Beschwerden gegen Saviles Verhalten gegeben habe, sei es jahrelang ignoriert worden, hieß es in dem Bericht. Die Krankenhausleitung habe allerdings nichts von den Vorwürfen gewusst. Gesundheitsminister Jeremy Hunt zufolge waren die meisten Opfer in Stoke Mandeville weiblich. Etwa 20 von ihnen seien wegen Rückenmarksverletzungen besonders wehrlos gewesen.

Opfer-Anwältin attackiert Verantwortliche

In einem zweiten Bericht, der ebenfalls am Donnerstag veröffentlicht wurde, heißt es, Savile habe möglicherweise jahrzehntelang in insgesamt 41 staatlichen Krankenhäusern Menschen missbraucht.

Chefermittlerin Johnstone wies Mutmaßungen zurück, Saviles Vergehen in Stoke Mandeville seien von höchster Ebene vertuscht worden. Offenbar wurden Informationen nicht weitergegeben. "Die Einzelpersonen, denen diese Zwischenfälle gemeldet wurden, verstießen gegen ihre Fürsorgepflicht", erklärte Johnstone. "In der Folge wurden über die Jahre keine Informationen über Saviles Verhalten gesammelt und nichts wurde unternommen."

Die Anwältin Liz Dux, die 44 von Saviles Opfern vertritt, erklärte hingegen, es sei unglaublich, dass die Untersuchung keine Hinweise auf eine Mitverantwortung hochrangiger Krankenhausmitarbeiter gefunden habe. "Die Leute, die wussten, worauf Savile aus war und denen direkt Bericht erstattet wurde, werden ungeschoren davonkommen", kritisierte Dux.

Die Taten in Stoke Mandeville sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Straftatenregister von Savile, das insgesamt um die 500 Opfer umfasst. Im Sommer vergangenen Jahres war deutlich geworden, wie er in einem Krankenhaus in Leeds zahlreiche Patienten missbraucht haben soll. Dort soll sich Savile sogar Zugang zur Leichenhalle verschafft haben. Hinzu kommen zahlreiche Straftaten auf dem Gelände und in den Räumlichkeiten der BBC. Die Affäre hatte die britische Rundfunkanstalt in eine schwere Krise gestürzt.

Savile zählte in den Siebziger- und Achtzigerjahren zu den größten Fernsehstars Großbritanniens. 2011 starb er im Alter von 84 Jahren. Erst danach wurden durch eine journalistische Recherche die Missbrauchsvorwürfe bekannt. Die britische Polizei bezeichnete Savile als "den schlimmsten Sexualverbrecher in der Geschichte des Landes".

sms/dpa/AFP/Reuters

Mehr zum Thema


insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Olaf 26.02.2015
1.
Erinnert an den Fall des Reformpädagogen und Leiters der Odenwaldschule, Gerold Becker, an dem Missbrauchsvorwürfe einfach abperlten und nie zu Ermittlungen führten. http://de.wikipedia.org/wiki/Gerold_Becker
les2005 26.02.2015
2.
Zitat von OlafErinnert an den Fall des Reformpädagogen und Leiters der Odenwaldschule, Gerold Becker, an dem Missbrauchsvorwürfe einfach abperlten und nie zu Ermittlungen führten. http://de.wikipedia.org/wiki/Gerold_Becker
sorry aber das ist hier eine komplett andere Dimension und ein total unpassender Vergleich.
ericplant 26.02.2015
3. Saville..
..was für ein Abgrund! Furchtbar.
Olaf 27.02.2015
4.
Zitat von les2005sorry aber das ist hier eine komplett andere Dimension und ein total unpassender Vergleich.
Finde ich nicht, wir haben in beiden Fällen eine Person des öffentlichen Lebens, deren hohes Ansehen sie zu Lebzeiten offensichtlich immun machte gegen strafrechtliche Verfolgungen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.