Großbritannien Polizistin trotz Todesschüssen befördert

Sieben Kopfschüsse hatten die Einsatzkräfte auf den Brasilianer Jean Charles de Menezes abgefeuert, weil sie ihn fälschlicher Weise für einen Selbstmordattentäter hielten. Eineinhalb Jahre nach dem Vorfall steht nun die Leiterin des Einsatzes im Licht der Öffentlichkeit - sie wird befördert.


London - Cressida Dick sei künftig für die Sicherheit der Königlichen Familie sowie weiterer hochrangiger Personen zuständig, teilte die Londoner Polizei heute mit. Die Behörde räumte zwar "beispiellose Umstände" im Zusammenhang mit der Beförderung ein. Diese sei jedoch die richtige Entscheidung, denn so werde klar gestellt, dass die Behörde der Beamtin voll vertraue.

Der Vorfall in der Londoner U-Bahn ereignete sich zwei Wochen nach den Selbstmordanschlägen in London, bei denen 52 Menschen ums Leben kamen.

Obwohl Zeitungsberichten zufolge eine unabhängige Kommission der Polizei eine strafrechtliche Verfolgung Dicks empfohlen hatte, entschied sich die Staatsanwaltschaft dagegen, einzelne Personen zur Rechenschaft zu ziehen. Wegen des Vorfalls soll aber gemäß den Gesundheits- und Sicherheitsgesetzen gegen die Londoner Polizei als Ganzes ermittelt werden.

Die Familie von Menezes zeigte sich erschüttert über die Beförderung. "Ich verstehe nicht wie Menschen, die unschuldige Zivilisten ermorden, einfach weiter arbeiten dürfen als sei nichts passiert. Sie zu befördern ist eine Schande", sagte eine Cousine des Getöteten.

han/Reuters



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