Mutter allein bei Geburt Säugling in britischem Gefängnis gestorben

In einer Vollzugsanstalt in der Grafschaft Surrey ist ein Neugeborenes gestorben. Das Gefängnispersonal soll die Mutter bei der Geburt allein gelassen haben.

Justizvollzugsanstalt Bronzefield in Ashford
empics/ picture alliance

Justizvollzugsanstalt Bronzefield in Ashford


Das 2004 eröffnete Hochsicherheitsgefängnis Bronzefield nahe Ashford im Südosten Englands ist eine der größten Haftanstalten für Frauen in Europa. Die für mehr als 500 Insassen konzipierte Einrichtung wird privat geführt und von "Sodexo Justice Services" betrieben.

Jetzt hat der Tod eines Neugeborenen das Gefängnis in die Schlagzeilen gebracht.

Wie der britische "Guardian" berichtete, hat eine Insassin am 27. September ein Kind zur Welt gebracht. Dem Bericht zufolge soll die Wöchnerin unter den Wehen allein und unbetreut gewesen sein. Weil ihr niemand bei der Geburt und danach geholfen habe, sei das Kind noch in der Zelle verstorben, so der Vorwurf.

Jetzt ermittelt die Polizei der Grafschaft Surrey in dem ungeklärten Todesfall.

Der Betreiber Sodexo äußerte sich bisher nicht zu dem Vorfall. Die Gefängnisdirektorin Vicky Robinson bestätigte den Tod des Neugeborenen. "Wir unterstützen die Mutter in dieser belastenden Zeit", sagte sie. Man arbeite eng mit den Ermittlungsbehörden zusammen, um den Fall aufzuklären.

Es ist nicht der erste Todesfall in der Haftanstalt. Im Jahr 2016 war eine Insassin nur 36 Stunden nach ihrer Ankunft in Bronzefield tot in der Zelle aufgefunden worden. Ermittlungen ergaben, dass ihr Tod durch Vernachlässigung und systemisches Leitungsversagen verursacht wurde. Wie der "Independent" berichtet, soll 2018 zudem eine 52-jährige Frau in der Haftanstalt gestorben sein. Laut "Guardian" starben seit Juli 2016 insgesamt vier Insassinnen in Bronzefield.

In der Vergangenheit war Bronzefield von Regierungsinspektoren ausgerechnet für seine Mutter-Kind-Versorgung gelobt worden. Es gibt eine Mutter-Säuglings-Abteilung in der Haftanstalt. Die Insassinnen dürfen ihre Kinder in der Regel bei sich behalten, bis diese 18 Monate alt sind.

Pro Jahr werden in Gefängnissen in England und Wales etwa hundert Babys geboren. Insgesamt machten Frauen 2018 etwa fünf Prozent der Insassen aus, eine große Mehrheit von 82 Prozent ist wegen Delikten ohne Gewaltanwendung verurteilt.

"Alle Mütter sollten das Recht haben, in Würde zu gebären", sagte Kate Paradine von der Hilfsorganisation "Frauen im Gefängnis" dem "Guardian". Leider käme es immer wieder vor, dass Mütter von Gesundheitsvorsorge und Betreuung ausgeschlossen würden - "mit verheerenden Folgen für Mutter und Kind, aber auch den Rest der Familie, von der sie getrennt sind".

ala



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