Großfahndung Millionenerpresser Wolf immer noch auf der Flucht

Die Polizei sucht mit Hochdruck nach ihm - bislang vergeblich: Es gibt noch immer keine heiße Spur von dem flüchtigen Schwerverbrecher Thomas Wolf. Er hatte in Wiesbaden mit der Entführung einer Bankiers-Gattin 1,8 Millionen Euro erpresst.


Frankfurt/Main - Hat sich Thomas Wolf bereits ins Ausland abgesetzt? Der Polizeisprecher Jürgen Linker sagte am heutigen Montag, es seien zwölf Hinweise auf den Gesuchten eingegangen. Es sei nicht auszuschließen, dass der 56-Jährige Deutschland verlassen habe.

Flüchtiger Wolf: 40.000 Euro Belohnung ausgesetzt
AP/Polizei

Flüchtiger Wolf: 40.000 Euro Belohnung ausgesetzt

Ein internationaler Haftbefehl gegen Wolf liege bereits seit neun Jahren vor. Anfang des Jahres 2000 war er in Nordrhein-Westfalen von einem Hafturlaub nicht mehr in die Justizvollzugsanstalt Moers-Kapellen zurückgekehrt. Dort hatte er noch sechs Jahre wegen Bankraubs als Teil einer Gesamtfreiheitsstrafe von 21 Jahren abzusitzen.

Thomas Wolf steht auf der Liste der meistgesuchten Personen des Bundeskriminalamts. Er soll am 20. April 2000 bei einem Bankraub in Hamburg knapp 500.000 Mark erbeutet haben. Dabei drohte er mit der Zündung einer Bombe und hatte auch eine Schusswaffe dabei.

Unter falscher Identität - als Niederländer David van Dijk - lebte er seit rund acht Jahren im Frankfurter Stadtteil Westend, nach Polizeiangaben die ganze Zeit mit seiner Freundin, der er seine wahre Identität verheimlicht haben soll.

"Sie steht nicht im Fokus der Ermittlungen", sagte Linker. Die Frau sei eine völlig unbescholtene Frankfurterin. "Er hat sie einfach ausgenutzt." Wolf benutzte ihren Mercedes bei dem Verbrechen. Außerdem mietete sie den Golf Variant an, mit dem er auf der Flucht ist.

Vor der Entführung hatte er nach Polizeiangaben über das Frankfurter Kennzeichen an dem weißen Mercedes 200 E ein "MZ" für Mainz angebracht. Damit war er im Taunus sowie auch bundesweit unterwegs. Die Polizei sucht auch Zeugen, die etwas darüber wissen.

Zwei Millionen Euro verlangt

Am Freitagmorgen hatte Wolf die 44-jährige Ehefrau eines leitenden Bankangestellten an der Tür ihres Wohnhauses in Wiesbaden entführt und zwei Millionen Euro von dem Ehemann gefordert. Er dirigierte ihn am frühen Abend nach Hofheim-Diedenbergen zur A66, wo der Bankier die schwarze Tasche mit dem Geld ablegen musste.

Etwa 20 Minuten später konnte sich die in der Nähe an einen Baum gefesselte Frau befreien. Gegen Mitternacht meldete sich bei der Polizei telefonisch ein Mann und teilte mit, wo sich das Entführungsopfer befinde. Dieses könnte sich in einem späteren Strafverfahren günstig für ihn auswirken.

Wolf war mit dem Lösegeld nach Hause gefahren, in das Mietauto umgestiegen und geflüchtet. Die Polizei hat bei der Spurensicherung auch die DNA von Wolf ermittelt. Auf diese Weise könnte sie ihm unter Umständen weitere Straftaten nachweisen. Laut Fahndung hatte Wolf "gleich gelagerte Straftaten in den Niederlanden und in Belgien begangen beziehungsweise versucht".

Die Ermittlungen im persönlichen Umfeld ergaben, dass der Gewaltverbrecher völlig unauffällig in Frankfurt gelebt hat. Wolf ist gebürtiger Düsseldorfer, etwa 1,85 Meter groß und spricht fließend Englisch, er gibt sich gelegentlich als Engländer oder Ire und als Skandinavier aus. Zuletzt war er bekleidet mit einer Art Regenjacke, darunter eine Anglerweste und einem beigefarbenen Rollkragenpullover mit Zopfmuster.

Die Frankfurter Ermittler werden von Zielfahndern des Hamburger Landeskriminalamtes unterstützt. Zuletzt war er mit einem silbernen Golf Variant mit dem Kennzeichen HH-FU 7109 unterwegs. Für Hinweise, die zu seiner Ergreifung führen, ist eine Belohnung in Höhe von 40.000 Euro ausgesetzt. Die Polizei nimmt Hinweise unter der Nummer 0800-1103333 und über jede Polizeidienststelle entgegen.

jdl/AP



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