Nordrhein-Westfalen Großrazzia gegen Clankriminalität

Die Polizei ist in mehreren Städten mit Kontrollen gegen illegales Glücksspiel vorgegangen. Die Beamten beschlagnahmten manipulierte und nicht angemeldete Automaten.
Unter anderem in Duisburg ging die Polizei am Samstagabend mit einer Großrazzia gegen mutmaßliche Clankriminalität vor

Unter anderem in Duisburg ging die Polizei am Samstagabend mit einer Großrazzia gegen mutmaßliche Clankriminalität vor

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Christoph Reichwein (crei) / dpa

Mit einer Großrazzia ist die Polizei am Samstagabend in Nordrhein-Westfalen gegen mutmaßliche Clankriminalität vorgegangen. In mehr als zehn Kommunen kontrollierten die Beamten nach eigenen Angaben unter anderem Spielhallen und Wettbüros, um illegales Glücksspiel und manipulierte Spielautomaten ausfindig zu machen. Auch Kulturvereine und Teestuben seien durchsucht worden.

"Es geht darum, denen, die im Alltag diese Städte unsicher machen, zu zeigen: Das ist beendet, ihr kriegt hier jeden Tag Unruhe", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) beim Besuch eines Einsatzortes in Essen. Es gelte die klare Ansage: "Hier gilt nicht das Recht der Familie, sondern das Recht des Staates." Es handle sich nicht um Kleinkram, sondern um "großkriminelle Taten".

Durchsuchungen gab es es auch in Mülheim, Duisburg, Bochum, Herne, Witten, Gelsenkirchen, Dortmund, Wuppertal und im Kreis Mettmann. An den Razzien waren neben der Polizei auch die Kommunen, der Zoll, die Finanzverwaltung, die Steuerfahndung, die Bundespolizei und die Bezirksregierung Düsseldorf mit dem Sonderdezernat "Glücksspiel und Geldwäscheprävention" beteiligt.

Glücksspielraum hinter Spind versteckt

In einem Hinterzimmer eines Essener Internet-Cafés wurde ein Raum entdeckt, in dem Spielautomaten und Tische aufgestellt waren. Der Zugang zu dem Raum war hinter einem Spind versteckt. Die Polizei vermutet, dass die Geräte nicht angemeldet waren. In einem Bistro fanden die Beamten drei mutmaßlich illegale Spielgeräte und einen Pokertisch. Die Geräte wurden abtransportiert.

"Der Staat guckt hin und macht deutlich, dass er wehrhaft ist", sagte Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) bei einem Besuch vor Ort. In Kulturvereinen und Teestuben sei überprüft worden, ob illegales Glücksspiel betrieben werde, sagte eine Polizeisprecherin. Auch werde kontrolliert, ob die Geräte manipuliert oder illegal aufgestellt worden seien.

In Duisburg entdeckte die Polizei eine mutmaßlich illegale Spielhalle. Sie habe sich in einer vermeintlichen Teestube befunden, sagte ein Polizeisprecher. Entdeckt worden seien 17 Geldspielautomaten, für die keine Gewerbeanmeldung vorliege. Die Polizei durchsuchte am Abend zeitgleich mehrere Objekte im Stadtgebiet von Duisburg. Insgesamt seien mehrere hundert Polizisten daran beteiligt gewesen, Bargeld in Höhe von mehr als 34.000 Euro sei beschlagnahmt worden. In Dortmund wurden am Abend nach dem Fund von unversteuertem Tabak zwei Shisha-Bars geschlossen.

Die NRW-Landesregierung fährt seit über zwei Jahren einen harten Kurs gegen Clankriminalität. Das Landeskriminalamt hatte im Mai 2019 das erste Lagebild zur Clankriminalität in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Demnach sah die Polizei in NRW 104 Clans mit kriminellen Mitgliedern am Werk. Allein in den Jahren 2016 bis 2018 sollen rund 6500 Verdächtige aus der Szene für mehr als 14.000 Straftaten verantwortlich gewesen sein.

ply/dpa/AFP