Grubenunglück in der Türkei Staatsanwaltschaft eröffnet Verfahren gegen drei Verdächtige

Beim Grubenunglück in der Türkei starben 301 Kumpel. Gegen drei mutmaßliche Verantwortliche hat die Staatsanwaltschaft nun Strafverfahren eröffnet. Auch der Chef des Bergwerks ist darunter.

Grubenunglück in der Türkei: Angehörige trauern
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Grubenunglück in der Türkei: Angehörige trauern


Soma - Die Bergungsarbeiten sind offiziell beendet, nun beginnt die Suche nach den Schuldigen: Nach dem Grubenunglück im türkischen Soma hat die Staatsanwaltschaft gegen drei Verdächtige Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Ihnen drohen nach türkischem Gesetz bis zu 15 Jahre Haft. Zuvor waren insgesamt 25 Menschen festgenommen worden. 16 sind noch in Gewahrsam.

Nach Angaben der Regierung kamen beim schwersten Grubenunglück in der Geschichte der Türkei 301 Kumpel ums Leben, 485 Menschen überlebten. Am Dienstag war in dem Bergwerk ein Feuer ausgebrochen, die Opfer wurden in der Zeche eingeschlossen und erstickten. Experten hatten bereits im Jahr 2010 vor den Gefahren im Bergwerk gewarnt und bessere Fluchtwege angemahnt.

Unter den Festgenommenen ist auch der Geschäftsführer des Bergwerks. Das bestätigte die türkische Justiz am Dienstag. Die Betreibergesellschaft Soma Holding hatte am Freitag jede Verantwortung für das Grubenunglück zurückgewiesen und angekündigt, die Mine wieder in Betrieb nehmen zu wollen.

Die Regierung hatte die Bergungsarbeiten am Samstag für beendet erklärt. Nach der Katastrophe kam es in mehreren Städten zu Protesten, bei denen Demonstranten den Rücktritt der Regierung forderten.

Am Freitag waren die Sicherheitskräfte in Soma mit Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen gegen mehr als 10.000 Demonstranten vorgegangen. Sie machten den Grubenbetreiber und die konservativ-islamische Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen und grober Fahrlässigkeit für die Tragödie mitverantwortlich. Grubenchef Alp Gürkan hatte sich 2012 damit gebrüstet, die Produktionskosten von 130 Dollar (rund 95 Euro) auf 24 Dollar pro Tonne Kohle gesenkt zu haben.

isa/AFP/dpa/AP

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Seite 1
aat 19.05.2014
1. Die ...
Zitat von sysopGetty ImagesBeim Grubenunglück in der Türkei starben 301 Kumpel. Gegen drei mutmaßliche Verantwortliche hat die Staatsanwaltschaft nun Strafverfahren eröffnet. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/grubenunglueck-in-der-tuerkei-verfahren-gegen-drei-verdaechtige-a-970126.html
...Staatsanwaltschaft ist von der AKP kontrolliert. Ein Verfahren gegen den Günstling der AKP, Alp Gürkan, ist eigentlich nicht zu erwarten. Es wird bestenfalls einige Bauernopfer geben. Diese Misere wurde erst durch den gnadenlosen Raubtierkapitalismus, installiert von der AKP unter Erdogan, möglich. Insofern sind auch die Demonstrationen in der Türkei gerechtfertigt. Da Gürkan aber schon 2012 mit einer Kostensenkung von mehr als 80 % prahlte, hätte auch den kopftuchverhangenen Holzköpfen der AKP klar sein müssen, das das auch auf Kosten der Sicherheit gehen muß ! Wenn man sich allerdings religiös auf dem Weg ins Mittelalter befindet, dann war das natürlich Allahs Wille und ein unvermeidbarer Arbeitsunfall. Und selbstverständlich gibt es dann auch "nur" 301 Tote bei 770 ausgestellten Totenscheinen. Wann erkennt die Weltgemeinschaft eigentlich wer Erdogan wirklich ist und welche Gefahr die AKP für die Türkei darstellt !?
sancho panza 19.05.2014
2. Es ist zutiefst tragisch,
Dass immer zuerst Menschen sterben müssen, bevor sich an eklatanten Verhältnissen etwas ändert. Und noch etwas|: wir sind mit schuld mit unserer ewigen Preisdrückerei: alles muss ständig billiger werden. Aber keine Sorge, solange wir alle vom Raubtierkapitalismus profitieren, wird sich so schnell nichts ändern.
optional_muenchen 20.05.2014
3. Strafverfahren...
Zitat von sysopGetty ImagesBeim Grubenunglück in der Türkei starben 301 Kumpel. Gegen drei mutmaßliche Verantwortliche hat die Staatsanwaltschaft nun Strafverfahren eröffnet. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/grubenunglueck-in-der-tuerkei-verfahren-gegen-drei-verdaechtige-a-970126.html
Ist ja super, da RTE Judikative, Exekutive und Legislative in einer Person ist, kann man damit rechnen, daß die wirklich Schuldigen in Nullkommanix hinter Schloss und Riegel kommen. Echt jetzt!
weserbaer 20.05.2014
4. Drei Bauernopfer
Zitat von sysopGetty ImagesBeim Grubenunglück in der Türkei starben 301 Kumpel. Gegen drei mutmaßliche Verantwortliche hat die Staatsanwaltschaft nun Strafverfahren eröffnet. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/grubenunglueck-in-der-tuerkei-verfahren-gegen-drei-verdaechtige-a-970126.html
Erdogans unsägliche Administration hat marode Zechen offen gelassen, damit sie sich besser privatisieren lassen. Der Preis dafür waren bislang (!) dreihundert Tote und deren trauernde Hinterbliebene. Kein Grund zuhause für Ordnung zu sorgen. Allzuviel Ordnung schadet der Korruption! Statt dessen verreist der Chef nach Köln, um in der Köln Arena weiter zur Mißachtung des Gastrechtes aufzurufen pardon: um ein 10 jährigesJubiläum einer Organisation zu feiern, deren Fehlen mit Sicherheit keinerlei Lücken hinterlassen würde. Demagogie inklusive.
elyssee 20.05.2014
5. Was ist mit Deutschland?
Was ist mit den Arbeitern, die für 3-4 Euro/Stunde in Deutschland arbeiten. Dann sind deren Arbeitgeber auch gleich Kumpel von Angela Merkel und die deutschen Politiker auch korrupt.
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