Gruppenvergewaltigung in Indien Peiniger ließen ihr Opfer nicht ins Krankenhaus

Auf Anordnung des Dorfrats sollen 13 Männer in Indien eine 20-Jährige vergewaltigt haben, jetzt werden immer mehr Details zu den Vorwürfen bekannt. Demnach hielten die Peiniger ihr Opfer auch davon ab, seine Verletzungen im Krankenhaus behandeln zu lassen. Inzwischen sind die mutmaßlichen Täter in Haft.

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Neu-Delhi - Der Dorfrat hatte die Aktion offenbar angeordnet, 13 Männer sollen die Tat ausgeführt haben: Nach der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung einer 20-jährigen Frau im indischen Bundesstaat Westbengalen werden immer mehr Details zu den Vorwürfen bekannt.

Demnach sollen die Männer nach der Vergewaltigung auch verhindert haben, dass ihr Opfer medizinische Hilfe in Anspruch nimmt. "Wir versuchten, sie in ein Krankenhaus zu bringen, aber sie hielten uns davon ab", sagte die Mutter der 20-Jährigen der "Times of India". Das Verbrechen sei "von den eigenen Leuten" begangen worden. "Sie folterten meine Tochter und luden sie spät in der Nacht zu Hause ab. Wir wurden gewarnt, ja nicht zur Polizei zu gehen." Die Täter zwangen das Mädchen und seine Angehörigen demnach, den ganzen Dienstag über im Haus zu bleiben, trotz schwerer Blutungen des Opfers.

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Angeordnete Gruppenvergewaltigung: "Ich konnte nicht zählen, wie oft"

Erst am Mittwochnachmittag gelang es der Familie den Angaben zufolge, das Mädchen in eine Klinik zu bringen. Dort sprach die 20-Jährige mit Journalisten. Ärzte sagten indischen Medien, die Frau sei in einem kritischen Zustand und nur noch am Leben, weil sie "ein widerstandsfähiges Mädchen" sei.

Dorfbewohner stellten sich der Polizei in den Weg

Der Tat, die von Montag bis Dienstagmorgen angedauert haben soll, war laut Polizei eine Art Gerichtsprozess vorausgegangen. Die 20-Jährige wurde demnach auf einen Platz vor den Dorfrat gezerrt und an einen Baum gefesselt. Dasselbe geschah auch mit ihrem Freund, der im Nachbardorf lebt und muslimisch ist - offenbar der Anlass für das Verfahren vor dem Dorfrat. Als die Eltern der Frau zu erkennen gaben, dass sie die Strafe in Höhe von umgerechnet 295 Euro nicht aufbringen können, ordnete der Rat laut Polizei die Vergewaltigung an.

13 Männer sollen die Frau darauf in eine Hütte geschleift haben, um die "Strafe" zu vollziehen. "Auf seine Anweisung hin haben mich zehn bis zwölf Männer am laufenden Band vergewaltigt, darunter mehrere aus einer Familie. Ich konnte nicht zählen, wie oft", sagte die Frau dem Nachrichtensender NDTV.

Inzwischen sind die Verdächtigen verhaftet - darunter laut "Hindustan Times" auch der Vorsitzende des Dorfrats. Allerdings wehrten sich die Männer zunächst: Als die Polizei im Dorf auftauchte, versperrten mehrere Bewohner den Ermittlern den Weg und verhinderten die Durchsuchung ihrer Häuser. Darauf forderten die Polizisten Verstärkung an und nahmen mehrere Männer fest.

Frauenminister will "ein Exempel statuieren"

Ein Gericht in Westbengalen ordnete eine 14-tägige Untersuchungshaft an, wie die Polizei mitteilte. Inzwischen, so hieß es, seien weitere Razzien in dem Dorf durchgeführt worden. "Wir hoffen, weitere Beweismittel sichern zu können", sagte ein Polizeisprecher.

Die Regierung Westbengalens kündigte an, die Kosten für die medizinische Versorgung des Opfers zu übernehmen und eine finanzielle Entschädigung zu zahlen. Für solche Fälle gebe es einen eigenen Topf, sagte der für Frauen und Kinder zuständige Landesminister Shashi Panja. Außerdem werde der Staat deutlich machen, dass er Verbrechen dieser Art nicht toleriere. Man werde "ein Exempel statuieren", versprach er.

Entscheidungen von Dorfräten sind in Indien juristisch nicht bindend, aber gesellschaftlich anerkannt. Wer sich den Beschlüssen widersetzt, riskiert, geächtet zu werden. In ganz Südasien ordnen Dorfgerichte und Ältestenversammlungen immer wieder Vergewaltigungen als Strafe für Verstöße gegen soziale Normen an. Für weltweites Aufsehen sorgte der Fall der Pakistanerin Mukhtaran Mai, die von Männern einer verfeindeten Familie missbraucht wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen Frauen schwieg sie aber nicht, sondern machte ihre Geschichte öffentlich.

Vergewaltigern droht die Todesstrafe

In Indien sorgen Gruppenvergewaltigungen regelmäßig für Schlagzeilen. Ein besonders schwerer Fall jährte sich kürzlich: Sechs Männer hatten sich am 16. Dezember 2012 in einem Bus an einer 23-jährigen Studentin in Neu-Delhi vergangen. Die Frau erlitt dabei so schwere Verletzungen, dass sie knapp zwei Wochen später starb. Mehrere Täter wurden zum Tode verurteilt.

Das Verbrechen wühlte die indische Öffentlichkeit auf. Tausende Menschen protestierten gegen die verbreitete sexuelle Gewalt gegen Frauen und die Gleichgültigkeit der Behörden. Die Politik reagierte mit der Einführung der Todesstrafe bei Vergewaltigungen mit Todesfolge. Dennoch kommt es immer wieder zu schweren Übergriffen in Indien, unter anderem auch an ausländischen Touristinnen.

kaz/mxw/dpa/AFP/AP

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