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Gruppenvergewaltigung in Indien Gericht spricht vier Angeklagte schuldig

Vier Inder sind wegen Vergewaltigung einer 23 Jahre alten Studentin schuldig gesprochen worden. Das Strafmaß steht noch nicht fest, den Verurteilten droht die Todesstrafe. Die Tat hatte weltweit Entsetzen ausgelöst.

Neu-Delhi - Ein Gericht in Indien hat vier Männer der Vergewaltigung einer jungen Frau für schuldig befunden. Zudem wurden sie wegen Mordes verurteilt. Das teilten Verteidigung und Staatsanwaltschaft vor dem Gerichtssaal in Neu-Delhi mit. Zusammen mit zwei anderen Tätern hatten die Männer die 23-Jährige im vergangenen Dezember in einem Bus entführt und vor den Augen ihres Freundes vergewaltigt. Die Frau starb zwei Wochen später an inneren Verletzungen.

Die Verteidiger der Männer kündigten an, das Urteil anzufechten. "Wir werden Rechtsmittel einlegen", sagte der Anwalt V. K. Anand.

Dutzende Demonstranten versammelten sich vor dem Gerichtsgebäude. Sie bezeichneten den Prozess als Weckruf für Indien und forderten die Todesstrafe für die Verurteilten. "Mädchen jeden Alters erleben Belästigung oder Vergewaltigung. Wir fühlen uns nicht sicher", sagte eine Demonstrantin. "Deshalb sind wir hier. Wir wollen, dass dieses Verfahren beispielhaft ist für jeden anderen Prozess."

Die Entscheidung in dem Fall war mehrmals verschoben worden. Ein Anwalt sagte, die Beratungen über das Strafmaß sollten am Mittwoch beginnen. Es soll in einigen Tagen bekanntgegeben werden. Den vier Männern droht die Todesstrafe. Die Angeklagten hatten sich nicht schuldig bekannt.

Ein Täter, zur Tatzeit minderjährig, wurde Ende August zu drei Jahren Jugendarrest verurteilt. Der sechste Angeklagte und Hauptverdächtige war erhängt in seiner Gefängniszelle gefunden worden.

Die junge Frau und ihr Freund waren am Abend des 16. Dezembers nach einem Kinobesuch in Neu-Delhi in einem Bus unterwegs. Dort fielen die sechs Männer über die 23-Jährige her, vergewaltigten sie und verletzten sie schwer mit einer rostigen Eisenstange. Auch den Freund schlugen sie. Anschließend warfen sie das Paar aus dem Bus. Der Freund, der versucht hatte, seine Partnerin zu schützen, überlebte schwer verletzt.

Die Tat hatte in Indien und weltweit für Entsetzen gesorgt. Sie löste landesweit Proteste aus, wochenlang demonstrierten Menschen, organisierten Mahnwachen und Schweigemärsche. Indien führte Schnellgerichte ein, um Vergewaltiger schneller verurteilen zu können. Zudem verschärfte die Regierung die Strafen für Sexualstraftäter.

Die Tat löste auch eine Diskussion über die Verbreitung sexueller Übergriffe in Indien aus. Die Debatte warf ein Schlaglicht auf andere Fälle sexueller Gewalt, etwa die Vergewaltigung einer Schweizer Touristin und einer Fotografin.

ulz/dpa/AFP/AP