Prozess in Nordrhein-Westfalen Narkosearzt wegen fahrlässiger Tötung eines 14-Jährigen vor Gericht

Nach einer Routine-OP in einer Klinik in Gütersloh kam 2018 ein 14-Jähriger ums Leben, weil ein Narkosegerät falsch angeschlossen war. Zum Prozessauftakt bat der mutmaßlich verantwortliche Mediziner die Eltern um Verzeihung.
Angeklagter im Amtsgericht Gütersloh

Angeklagter im Amtsgericht Gütersloh

Foto: Friso Gentsch / dpa

Rund dreieinhalb Jahre nach dem Tod eines 14-Jährigen infolge einer Routineoperation in einem Krankenhaus in Gütersloh steht der mutmaßlich verantwortliche Assistenzarzt vor Gericht.

Am ersten Prozesstag vor dem Amtsgericht Gütersloh bat der 47-Jährige die Eltern des Toten um Entschuldigung. Der Narkosearzt schilderte zudem den Ablauf des tödlichen Eingriffs am 20. November 2018. Demnach hatten bis zu sechs Ärzte über mehrere Minuten versucht, den jungen Patienten zu beatmen und später zu reanimieren.

Bei dem Eingriff am Knie des Jungen war das Beatmungsgerät falsch angeschlossen worden. Wie sich später herausstellte, hatte eine Krankenschwester dabei Schläuche vertauscht. Der Jugendliche war noch in eine Klinik ins benachbarte Bielefeld verlegt worden, dort wurde jedoch sein Hirntod festgestellt.

Arzt räumt fehlende Kontrollschritte ein

Die Anklage wirft dem Anästhesisten fahrlässige Tötung vor, weil er die Sauerstoffzufuhr nicht wie vorgeschrieben kontrolliert hatte. Bei fahrlässiger Tötung sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor. Die Eltern des Jungen sind Nebenkläger.

Der Arzt, der in seiner Heimat Armenien Medizin studiert und seinen Facharzt gemacht hatte, musste seine Fachausbildung in Deutschland wiederholen, weil seine Ausbildung in seinem Geburtsland nicht anerkannt wurde. Er gab in seiner Einlassung und Befragung zu, dass er mehrere Überprüfungsschritte der Geräte nicht gemacht hatte, weil er nicht wusste, dass dies vorgeschrieben sei.

Verfahren gegen Krankenschwester eingestellt

Das Verfahren gegen eine Krankenschwester, die als Zeugin aussagte, war gegen die Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden. Gegen weitere Angestellte des Krankenhauses laufen noch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Über sieben Stunden vernahm der Richter mehrere Zeugen, darunter Ärzte sowie OP- und Narkosehelfer. Vor der Aussage von zwei Gutachtern unterbrach das Gericht die Verhandlung. Der Prozess wird am 9. Juni fortgesetzt.

fek/dpa