Landgericht Siegen Angeklagter tot – Berufungsprozess im Gullydeckel-Fall aufgehoben

Eigentlich sollte der sogenannte Gullydeckel-Fall am Mittwoch in einen Berufungsprozess gehen. Doch einen Tag zuvor ist der Angeklagte gestorben. Das Gericht wurde von der Nachricht überrascht.
Zerstörte Frontscheibe des Zugs (Archivbild): Der Lokführer soll den vermeintlichen Anschlag selbst geplant haben

Zerstörte Frontscheibe des Zugs (Archivbild): Der Lokführer soll den vermeintlichen Anschlag selbst geplant haben

Foto: Hessische Landesbahn / dpa

Der Berufungsprozess gegen einen Lokführer im sogenannten Gullydeckel-Fall vor dem Landgericht Siegen ist wegen des Todes des Angeklagten überraschend aufgehoben worden.

»Der Angeklagte ist gestern in Lünen verstorben«, teilte das Gericht am Dienstag mit, als die Verhandlung nach der Berufung des Mannes eigentlich beginnen sollte. Man sei von der Todesnachricht überrascht worden, sagte eine Sprecherin.

Bei der Staatsanwaltschaft in Dortmund wurde ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Der Mann sei verstorben, weitere Angaben könne man zu dem Fall nicht machen, sagte ein Behördensprecher.

Das Landgericht Siegen sollte sich mit dem Fall befassen, nachdem der Lokführer gegen das erstinstanzliche Urteil vom Oktober 2020 Rechtsmittel eingelegt hatte.

Lokführer zu Freiheitsstrafe verurteilt

Das Amtsgericht in Bad Berleburg im Kreis Siegen-Wittgenstein hatte ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten ohne Bewährung verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass er im April 2019 einen Anschlag auf einen von ihm geführten Zug der Hessischen Landesbahn selbst geplant und dafür zwei Kanaldeckel an einer Brücke montiert habe.

Der Vorfall bei Siegen nahe der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen hatte für Aufsehen gesorgt. Die zwei schweren Gullydeckel waren in die Frontscheibe der Bahn gekracht. Der Lokführer in dem frühmorgens noch unbesetzten Zug war unverletzt geblieben. Nachdem zunächst ein Mordanschlag gegen ihn nicht ausgeschlossen worden war, fiel der Verdacht im Laufe der Ermittlungen auf den Zugführer selbst. An Kanaldeckeln und Seilen hatten Ermittler seine DNA-Spuren gefunden. Das Urteil stützte sich auch auf Gutachten zu Faserspuren, die dem damals 50-Jährigen zugeordnet wurden.

Der Angeklagte hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

ptz/dpa