Urteil in Argentinien Papst-Vertrauter wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt

Gustavo Óscar Zanchetta verlangte von Priesteranwärtern »Massagen«. Wegen sexuellen Missbrauchs soll er nun mehrere Jahre in Haft. Aus einer Opferinitiative heißt es, das sei auch ein »schwerer Schlag« für den Papst.
Gustavo Óscar Zanchetta (l.) vor Gericht: Vorwürfe bestritten

Gustavo Óscar Zanchetta (l.) vor Gericht: Vorwürfe bestritten

Foto: GASTON INDA / AFP

Der ehemalige katholische Bischof Gustavo Óscar Zanchetta, ein Vertrauter von Papst Franziskus, ist wegen sexuellen Missbrauchs von einem Gericht in Argentinien zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt worden. Zanchetta sei nach der Urteilsverkündung in einem Gericht in Salta im Norden des Landes verhaftet worden, teilte die örtliche Staatsanwaltschaft mit .

Der emeritierte Bischof von Orán hat nach Ansicht des Gerichts mehrere Priesteranwärter sexuell missbraucht. Während des Prozesses hatten Zeugen laut der Zeitung »La Nación«  berichtet, Zanchetta habe »Massagen« verlangt und »Vorlieben« für bestimmte Priesteranwärter gehabt. Zudem seien vor Gericht »pornografische« Fotos gezeigt worden, die sich auf seinem Handy befunden hätten.

»Wir können das Ausmaß des von den Opfern erlittenen Schadens nicht bemessen, aber wir haben die Pflicht, ihnen und der Gesellschaft eine Antwort vonseiten der Justiz zu geben«, sagte Staatsanwalt Pablo Rivero. Zanchetta war zudem finanzielles Missmanagement vorgeworfen worden. Er hatte die Vorwürfe bestritten.

Vertrauter von Franziskus

Zanchetta gilt als Vertrauter von Papst Franziskus. Nachdem die Vorwürfe gegen ihn bekannt geworden waren und er das Bischofsamt in Orán aufgegeben hatte, arbeitete der 57-Jährige im Vatikan als Berater in der Vermögensverwaltung des Heiligen Stuhls.

Franziskus hatte Kritik an seinem Umgang mit dem Fall zurückgewiesen. Zanchetta habe sich nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gut verteidigt.

Der Sprecher einer Opferinitiative, Carlos Lombardi, sagte, das Urteil sei ein »schwerer Schlag« für Papst Franziskus, da er Zanchetta stets in Schutz genommen habe.

ptz/dpa/AP