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14. Juli 2014, 11:46 Uhr

Gustl Mollath

Darum geht es im Wiederaufnahmeverfahren

Gustl Mollath muss sich vor dem Landgericht Regensburg wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung verantworten. Welche Taten werden ihm vorgeworfen? Was wirft er seiner Ex-Frau vor? Die wichtigsten Fakten.

Am 6. August 2013 konnten die zahlreichen Unterstützer von Gustl Mollath jubeln: Er verließ gegen 18 Uhr die psychiatrische Klinik in Bayreuth. Zuvor hatte das Oberlandesgericht Nürnberg die Wiederaufnahme des Verfahrens und die sofortige Freilassung Mollaths aus der Psychiatrie angeordnet. Seit dem 7. Juli läuft nun das Wiederaufnahmeverfahren gegen ihn vor dem Landgericht Regensburg.

Zwischen der ersten Entscheidung und dem neuen Prozess war Mollath siebeneinhalb Jahre in der Psychiatrie. Wie konnte es dazu kommen? Der Fall Mollath hat zwei Seiten: Vorwürfe, die gegen ihn gerichtet sind und Vorwürfe, die er selbst erhebt.

Vorwürfe gegen Mollath:

Im August 2001 soll Gustl Mollath seine damalige Frau Petra M. gewürgt und geschlagen haben. Im Mai 2002 kam es zur Trennung. Als Petra M. kurz darauf noch einmal in die Wohnung ging, um Sachen zu holen, soll Mollath sie mehr als eine Stunde eingesperrt haben. Im Januar 2003 erstattete Petra M. Anzeige gegen Gustl Mollath wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Zudem soll Gustl Mollath um die Jahreswende 2004/2005 in einigen Fällen Reifen von Autos zerstochen haben.

Vorwürfe von Mollath:

Petra M. arbeitete bei der HypoVereinsbank. Mollath warf ihr und weiteren Mitarbeitern der Bank vor, in Schwarzgeldgeschäfte verwickelt zu sein. Er schrieb Ende 2002 Briefe an die Bank, die daraufhin eine Revision einleitete. Im Revisionsbericht heißt es später, alle nachprüfbaren Behauptungen Mollaths hätten "sich als zutreffend herausgestellt".

Die Staatsanwaltschaft aber lehnte Ermittlungen nach Mollaths Anzeigen gegen seine Frau und andere Mitarbeiter der Bank ab. Es sei kein Anfangsverdacht erkennbar. Später stellte der Bankrevisor vor dem Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags klar, dass er keine Beweise für Schwarzgeldgeschäfte habe, der Prüfbericht enthalte da eine "unglückliche Formulierung". Nach Darstellung von Mollath wollte ihn seine Frau mit ihrer Anzeige wegen seiner Vorwürfe mundtot machen.

Entscheidung des Landgerichts Nürnberg

Das Landgericht Nürnberg verhandelte über die Vorwürfe von Petra M. und die Reifenstechereien. Es sprach Gustl Mollath schließlich im August 2006 wegen Schuldunfähigkeit frei. Ein Gutachter bescheinigte ihm wahnhafte psychische Störungen. Die Richter sahen eine Gefahr für die Allgemeinheit gegeben und ordneten Mollaths Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Heute ist klar: Er blieb dort viel zu lange, das Urteil steckte voller Faktenfehler, das Verfahren war schlampig geführt.

So blieb er bis zu jenem 6. August in der Psychiatrie. Nun beginnt das Verfahren vor dem Landgericht Regensburg von neuem. Es geht wieder um die Frage, ob Mollath seine Frau verletzte und einsperrte, ob er Reifen zerstach. Und falls er das tat: ob er schuldfähig war oder nicht. Sicher ist: Selbst bei einer Verurteilung wird Mollath nicht ins Gefängnis müssen, die Strafe darf nicht höher ausfallen als im ersten Verfahren.

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