Wiederaufnahme-Entscheidung Gustl Mollath hat Psychiatrie in Bayreuth verlassen

Sieben Jahre lang wurde Gustl Mollath gegen seinen Willen in der Psychiatrie festgehalten, jetzt ist er frei: Der 56-Jährige verließ am Abend die Klinik und hofft nun auf "ein ordentliches Wiederaufnahmeverfahren".
Gustl Mollath (vor Klinik in Bayreuth): Überraschende Freilassung

Gustl Mollath (vor Klinik in Bayreuth): Überraschende Freilassung

Foto: David Ebener/ dpa

Bayreuth - Gustl Mollath ist frei. Der 56-Jährige verließ am Dienstagabend in Begleitung von Freunden das Gebäude der Psychiatrie in Bayreuth. Das Oberlandesgericht Nürnberg hatte am Vormittag überraschend seine Freilassung angeordnet. Sein Verfahren muss vor dem Landgericht Regensburg neu aufgerollt werden.

Um 17.54 Uhr habe Mollath das Bezirkskrankenhaus Bayreuth als freier Mann verlassen, berichtet der "Nordbayerische Kurier". "Ich will ein ordentliches Wiederaufnahmeverfahren", sagte Mollath den wartenden Journalisten. Die Entscheidung der Nürnberger Richter am späten Vormittag habe ihn vollkommen unvorbereitet getroffen. Er sei in seinem Zimmer gewesen, ein Anwalt des Bezirkskrankenhauses habe ihm die Information überbracht.

Mollaths Zukunft steckt nun voller ungeklärter Fragen. "Ich muss mich jetzt erst einmal orientieren", sagte er. Wo er die erste Nacht verbringen werde, wisse er nicht. Er habe eine ganz andere Sorge: "Ich kann mich noch nicht einmal ausweisen." Bei seiner Einweisung im Jahr 2006 wurden ihm die persönlichen Dokumente abgenommen - neue habe er noch nicht erhalten.

Mollath war 2006 vom Landgericht Nürnberg als gemeingefährlich eingestuft und in die Psychiatrie eingewiesen worden. Unter anderem soll er seine Frau misshandelt und Autoreifen zerstochen haben. Die Nürnberger Richter begründeten ihre Entscheidung, Mollath freizulassen, nun mit Zweifeln an dem Attest der Arztpraxis, die damals die Verletzungen seiner Ehefrau dokumentiert hatte. Nach Angaben des Gerichts war Mollaths Frau im Juni 2002 gar nicht von ihrer Hausärztin selbst, sondern von deren Sohn untersucht worden, der als Weiterbildungsassistent in der Praxis beschäftigt war.

Mollath sieht sich seit langem als Opfer eines Komplotts seiner früheren Ehefrau und der Justiz, weil er auf Schwarzgeldgeschäfte in Millionenhöhe hingewiesen habe (lesen Sie hier die Chronik des Falls). Mollath hatte seine Frau, eine Vermögensberaterin bei einer Bank, und andere 2003 wegen unsauberer Geschäfte angezeigt. Die Vorwürfe wurden nicht weiterverfolgt, erwiesen sich später aber teilweise als zutreffend.

wit/dpa/AFP
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