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08. August 2014, 11:35 Uhr

Prozess in Regensburg

Mollath bestreitet alles

Erstmals macht Gustl Mollath im neuen Prozess Angaben zu den Vorwürfen gegen ihn. Seine Ex-Frau habe ihm Straftaten vorgeworfen, um ihn "kostengünstig zu entfernen".

Regensburg - Die Staatsanwaltschaft wirft Gustl Mollath Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung vor - der aus der Psychiatrie entlassene Angeklagte hat sich nun vor dem Landgericht Regensburg verteidigt. "Die mir vorgeworfenen Straftaten habe ich nicht begangen", sagte der 57-Jährige in seinem Wiederaufnahmeverfahren. Er sei weder geisteskrank noch gefährlich für die Allgemeinheit. Seine frühere Frau habe ihm Straftaten vorgeworfen, "um mich kostengünstig zu entfernen".

Es war das erste Mal seit dem Prozessbeginn vor gut einem Monat, dass er Angaben zur Sache machte. Auf Nachfrage der Richterin, ob er sich nicht weiter zu den Vorwürfen äußern wolle, verwies Mollath auf die Akten. Er bestätigte lediglich frühere Angaben, wonach er nur versucht habe, sich in der Auseinandersetzung mit seiner damaligen Frau zu schützen.

Mollath soll 2001 seine Ehefrau geschlagen und eingesperrt haben. Das Landgericht Nürnberg hatte ihn 2006 in einem Verfahren unter anderem wegen schwerer Körperverletzung an seiner Frau wegen angeblicher Wahnvorstellungen für schuldunfähig erklärt und in die Psychiatrie einweisen lassen. Er war dort mehr als sieben Jahre gegen seinen Willen untergebracht. Der Fall hatte eine Debatte über die Unterbringung in psychiatrischen Kliniken ausgelöst.

Die Diagnose der Wahnvorstellungen bezog sich damals auf von Mollath behauptete Schwarzgeldgeschäfte seiner inzwischen geschiedenen Frau für die HypoVereinsbank - das Gericht glaubte dies damals nicht. Inzwischen hat ein Bankbericht ergeben, dass es um Kundendepots ging, die von Mollaths Ex-Frau Petra M. und anderen Mitarbeitern der Bank an eine Partnerbank in die Schweiz und von dort zum Teil gegen Provision an die Konkurrenz transferiert wurden. Schwarzgeld stellte die Bank nicht fest.

Für Freitag waren ursprünglich die Plädoyers in dem Verfahren vorgesehen. Ob es dazu kommt, war nach Mollaths Erklärung aber offen. Er formulierte darin mehrere Beweisanträge, über die das Gericht noch entscheiden muss.

ulz/AFP/dpa

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