Rapper Gzuz zu Haftstrafe verurteilt "Wer, wenn nicht Sie, gehört in den Knast?"

18 Monate Gefängnis, eine halbe Million Euro Geldstrafe: Der letzte Tag vor dem Hamburger Amtsgericht ging nicht gut aus für Gzuz. Rapper und Richter lieferten sich einen verbalen Schlagabtausch.
Gzuz im Gerichtsflur

Gzuz im Gerichtsflur

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Es ist schon außergewöhnlich, dass ein Amtsrichter eine Geldstrafe und zugleich eine Freiheitsstrafe verhängt. Johann Krieten tat genau das: Er verurteilte den Rapper Gzuz zu 18 Monaten Gefängnis und zu einer Zahlung von 300 Tagessätzen à 1700 Euro - mehr als eine halbe Million. "Wer, wenn nicht Sie, gehört in den Knast?", sagte Krieten bei der Urteilsverkündung.

Dem Mitglied der Hamburger Hip-Hop-Gruppe 187 Strassenbande wurden unter anderem Verstöße gegen das Waffengesetz, Drogenbesitz und Körperverletzung vorgeworfen. Der Prozess hatte im Juni begonnen.

Die doppelte Strafe begründete Krieten so: Die Geldstrafe betreffe zwei Verstöße gegen das Waffenrecht. An Silvester etwa feuerte Gzuz mehrfach mit einer Schreckschusspistole umher und veröffentlichte ein Video davon. Dabei darf Gzuz gar keine Waffen führen.

Das Verhalten, so ein Sprecher des Amtsgerichts, zeigte in den Augen des Richters vor allem eines: dass Gzuz die Verstöße nutze, um sein Image zu pflegen, um für sich zu werben. Also müsse man ihn auch finanziell sanktionieren.

Rechtsmittel eingelegt

Es bleibt abzuwarten, was von dem Verdikt übrig bleibt. Der Anwalt des Künstlers mit bürgerlichem Namen Kristoffer Jonas Klauß hat bereits Rechtsmittel eingelegt, sagte ein Gerichtssprecher.

"Sie inszenieren sich als Gangster-Rapper und wollen als Straftäter behandelt werden. Jetzt werden sie als Straftäter gewürdigt", sagte Krieten in seinem Schlusswort. Gzuz nahm das Urteil äußerlich regungslos auf. Auf die Frage einer Reporterin, was er zu dem Urteil sage, antwortete er nur: "Was soll ich dazu sagen?"

"Sie sind ein Sozial-Rüpel"

Amtsrichter Johann Krieten über den Rapper Gzuz

Rapper und Richter leisteten sich am letzten Verhandlungstag einen Schlagabtausch. "Sie sind ein Sozial-Rüpel! Sie missachten die Regeln des sozialen Miteinanders und meinen, mit Geld alles zu bekommen", sagte Krieten. Gzuz antwortete: "Sie auch!"

Der Ton ist nicht zum ersten Mal rau: Gzuz' Verteidiger Christopher Posch hatte mehrere Befangenheitsanträge gegen Krieten gestellt, die alle abgelehnt wurden. Im Gegenzug hatte Krieten sich mehrmals beschwert: "Wir sind hier nicht bei RTL2!" Posch ist aus dem Fernsehen bekannt.

Als die Lebensgefährtin von Gzuz als Zeugin aussagen sollte, rastete der Rapper aus: "Hurensohn, Hurensohn - deine Mutter soll sterben!", schleuderte der Rapper einem Fotografen entgegen. Schließlich wurde er wegen ungebührlichen Verhaltens ausgeschlossen. Später bat Gzuz um Entschuldigung.

Die Liste der Vorwürfe - neben der Episode mit der Schreckschusspistole - ist lang:

  • Bei einer Hausdurchsuchung im April 2018 sollen in seiner Hamburger Wohnung 17 Gramm Marihuana und 2,5 Gramm Crystal Meth gefunden worden sein.

  • Im Februar soll der Gangster-Rapper versucht haben, eine Sauerstoffflasche aus einem unverschlossenen Rettungsfahrzeug zu stehlen.

  • Im März schließlich soll Gzuz auf der Hamburger Reeperbahn einer jungen Frau, die ein Selfie mit ihm machen wollte, mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen haben. Bei der Frau und den Rettungssanitätern hatte sich Gzuz vor Gericht entschuldigt, die 19-Jährige hatte daraufhin ihre Anzeige zurückgezogen.

Gzuz nach der Verhandlung vor dem Hamburger Gerichtsgebäude

Gzuz nach der Verhandlung vor dem Hamburger Gerichtsgebäude

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Mit dem Urteil ging Amtsrichter Johann Krieten über die von Staatsanwalt Daniel Austen geforderte Strafe hinaus. Er hatte ein Jahr und zwei Monate Haft beantragt. Austen hatte erklärt, er könne keine positive Sozialprognose stellen, da der Angeklagte unter Bewährung stehe und immer wieder straffällig werde.

Gzuz ist bereits mehrfach verurteilt worden. Seine erste Straftat beging er mit 15 Jahren. Ende 2011 wurde er wegen Diebstahls und Körperverletzung zu drei Jahren und vier Monaten verurteilt. 2017 war Gzuz verhaftet worden, kam dann aber unter Auflagen wieder frei.

jpz/dpa
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