Nordrhein-Westfalen Säureanschlag auf Innogy-Manager - DNA-Test entlastet Verdächtigen

Der Haftbefehl gegen einen Verdächtigen im Fall des Anschlags auf einen Manager wurde aufgehoben - auch weil ein Zeuge sich einer gerichtlichen Befragung nicht stellen will. Angeblich hat er Angst vor Rache.

Tatort des Säureanschlags in Haan (Archiv)
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Tatort des Säureanschlags in Haan (Archiv)

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Die Freilassung eines Tatverdächtigen im Fall des Säureanschlags auf den Innogy-Vorstand Bernhard Günther hat offenbar auch mit einem DNA-Test zu tun. Er brachte nicht das von den Ermittlern erwartete Ergebnis.

Anfang März 2018 wurde Günther beim Joggen in Haan bei Düsseldorf von mehreren Personen überfallen und mit Säure übergossen. In diesem Zusammenhang nahmen Ermittler vor wenigen Wochen einen 32-jährigen Mann in Köln fest.

Am vergangenen Freitag wurde der Beschuldigte nach einem Beschluss des Landgerichts Wuppertal jedoch wieder freigelassen. Die DNA-Spuren, die die Ermittler am Tatort sichergestellt hatten, stimmten nicht mit der DNA des Tatverdächtigen überein. Das bestätigte Dorothea Tumeltshammer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wuppertal, dem SPIEGEL.

Zuvor hatte das Landgericht Wuppertal mitgeteilt, dass kein dringender Tatverdacht gegen den Mann vorliege. Demnach habe es Probleme bei der Identifizierung des Beschuldigten durch Bernhard Günther gegeben. Der Innogy-Manager soll den Mann zwar auf Fotos, die ihm von der Polizei vorgelegt worden seien, erkannt haben. Allerdings seien ihm entsprechende Bilder des Tatverdächtigen bereits von Privatermittlern gezeigt worden. Die Privatermittler hatte Günther in Eigenregie beauftragt.

"Hinweisgeber hat mutmaßlich Angst vor den Konsequenzen"

Eine Identifizierung auf diesem Wege sei "unsicher", teilte das Gericht mit, weil durch "die Vorlage von Lichtbildern nur einer einzigen Person anerkanntermaßen eine suggestive Wirkung ausgelöst" werde. Mit anderen Worten: Günther könnte von seinen Privatermittlern beeinflusst worden sein, was die Qualität seiner späteren Aussage bei der Polizei mindert.

Laut Staatsanwaltschaft kamen die Ermittler mithilfe von anonymen Hinweisen auf die Spur des 32-Jährigen. Ein Zeuge meldete sich über einen Anwalt bei den Ermittlern. Auf dieser Grundlage kam es zur Verhaftung im Oktober, der Beschuldigte wurde bei einer Sportveranstaltung festgenommen. Im weiteren Verlauf sollen die Ermittler versucht haben, mit dem Zeugen in Kontakt zu treten, um an weitere Informationen zu gelangen. Der Zeuge habe jedoch abgelehnt. Die Quelle sei "nicht bereit, sich einer gerichtlichen Befragung zu stellen", teilte das Landgericht mit.

"Der Hinweisgeber hat mutmaßlich Angst vor den Konsequenzen, wenn bekannt wird, wer er ist. Er hat Angst vor Rache", sagte Staatsanwältin Tumeltshammer. In den Vernehmungen bestritt der Beschuldigte alle Vorwürfe gegen ihn. Allerdings gebe es "viele kleine Indizien, die auf seine Täterschaft hinweisen", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, "aber in der Gesamtschau reicht es derzeit nicht aus, um einen dringenden Tatverdacht gegen ihn aufrechtzuerhalten."

Ermittlungen werden fortgesetzt

Der Beschuldigte habe in den Vernehmungen Aussagen gemacht, die "mutmaßlich nicht alle richtig" gewesen seien, "zum Beispiel was seinen Aufenthaltsort zur Tatzeit angeht", so Tumeltshammer. Für eine Fortführung der Untersuchungshaft reiche das nicht aus, dennoch würden die Ermittlungen fortgesetzt. Im Zusammenhang mit dem Säureanschlag gab es bereits mehrere Durchsuchungen der Polizei, die Auswertung der sichergestellten Datenträger und Schriftstücke würde andauern, sagte die Staatsanwältin.

Nach SPIEGEL-Informationen hat der Beschuldigte die serbische Staatsbürgerschaft. Er soll vor ein paar Jahren nach Deutschland gezogen sein, in Köln gelebt und in einem Fitnessstudio gearbeitet haben. Vor einigen Monaten soll er mit seiner Frau nach Serbien zurückgekehrt sein, zuletzt soll er mit ihr in Belgrad gewohnt haben. Erst kurz vor seiner Verhaftung soll er wieder nach Deutschland gereist sein, um in Köln an der Sportveranstaltung teilzunehmen, bei der er schließlich verhaftet wurde.

Sollte sich der Verdacht gegen ihn erneut erhärten und ein dringender Tatverdacht bestehen, sagte Tumeltshammer, könne man einen internationalen Haftbefehl beantragen.

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