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Verdacht auf Drohnenspionage Spezialkräfte durchsuchen Frachter in Kieler Schleuse

Razzia in der Mündung des Nord-Ostsee-Kanals: Beamte haben über Nacht einen Frachter durchsucht. Von dort sollen zuvor Spionagedrohnen gestartet sein.
Frachter »Scanlark« und ein Boot der Polizei
Frachter »Scanlark« und ein Boot der Polizei

Frachter »Scanlark« und ein Boot der Polizei

Foto: Frank Behling

In der Kanalschleuse in Kiel haben Spezialkräfte am Sonntag einen Frachter wegen des Verdachts auf Agententätigkeit durchsucht. Die Landespolizei Schleswig-Holstein und die Polizei Niedersachsen waren gemeinsam auf dem Schiff in der Schleuse Kiel-Holtenau im Einsatz.

Gegen 16 Uhr stürmten Polizeieinheiten aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein den Frachter »Scanlark«. Zuerst hatten die »Kieler Nachrichten « berichtet, aus den Lokalmedien ergibt sich das Bild eines regelrechten Ermittlungskrimis:

Schon bevor das Schiff überhaupt im Kieler Hafen ankam, soll nach einem Bericht des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags  die Webcam am Nord-Ostsee-Kanal abgedeckt worden sein, dann hätten Polizisten zugeschlagen und den Frachter in der Südschleuse durchsucht. Ein Schlauchboot der Polizei Niedersachsen habe »ununterbrochen« um das Schiff patrouilliert, so der Bericht.

Den »Kieler Nachrichten« zufolge hätten die Besatzungsmitglieder während des Einsatzes nicht von Bord gehen dürfen. Taucher hätten außerdem den Rumpf des Schiffes abgesucht.

Spionagedrohnen sollen vom Frachter aus gestartet sein

Hintergrund war laut LKA und Polizei die »Abwehr von Gefahren für die maritime kritische Infrastruktur Deutschlands« sowie ein laufendes Ermittlungsverfahren »wegen Verdachts der Agententätigkeit zu Sabotagezwecken und des sicherheitsgefährdenden Abbildens«. Demnach bestehe der Verdacht, dass eine Drohne am 26. August 2025 von dem durchsuchten Schiff gestartet und über ein Marineschiff gesteuert wurde, um dieses auszukundschaften und Bildaufnahmen zu fertigen.

Weitere Auskünfte geben die Behörden mit Blick auf die Ermittlungen aktuell nicht.

Die »Scanlark« ist ein etwa 75 Meter langer Frachter und fährt für die Reederei Vista Shipping Agency in Tallinn, Estland. Registriert ist das Schiff seit 2006 in dem Karibikstaat St. Vincent und die Grenadinen. Seit 2009 fährt das Schiff unter dem Namen »Scanlark« und passiert regelmäßig den Nord-Ostsee-Kanal. Vor der Ankunft in Kiel lag das Schiff im Hafen von Rotterdam, eigentlich sollte die Reise weiter nach Finnland gehen.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung  bedankten sich die Innenministerinnen der Länder Schleswig-Holstein und Niedersachsen bei den Einsatzkräften für die erfolgreichen Maßnahmen.

Sabine Sütterlin-Waack (CDU) betonte: »Die Kontrolle eines verdächtigen Frachters im deutschen Ostseeraum ist ein starkes Zeichen und unterstreicht die Handlungsfähigkeit unseres Rechtsstaats.«

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes haben wir die Schleuse Kiel-Holtenau als Teil des Kieler Hafens bezeichnet, sie liegt aber außerhalb. Zudem war von shz.de als Lokalzeitung die Rede. Tatsächlich handelt es sich um den Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag, dem 22 Lokalzeitungen angehören. Wir haben die entsprechenden Stellen korrigiert.

esk