Urteil wegen fahrlässiger Tötung Knapp drei Jahre Haft für Kölner Raser

Das Landgericht Köln hat einen Autofahrer zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Der 27-Jährige war mit mehr als 100 Sachen durch die Stadt gerast und tötete dabei einen jungen Radfahrer.

Der Angeklagte im Gerichtssaal: Tempo 100 innerorts
DPA

Der Angeklagte im Gerichtssaal: Tempo 100 innerorts


Mit mehr als Tempo 100 raste ein Mann im Juli 2015 in einem gemieteten Sportwagen auf eine Ampel zu, touchierte einen Kleinwagen, verlor die Kontrolle und erfasste einen Radfahrer. Der 26-Jährige starb drei Tage später. Das Kölner Landgericht hat den 27 Jahre alten Fahrer des Unfallwagens dafür nun wegen fahrlässiger Tötung und vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Vor dem Hintergrund anderer Kölner Raser-Unfälle sagte der Vorsitzende Richter Benjamin Roellenbleck: "Wir wollten mit dem Urteil auch ein Zeichen nach draußen setzen, dass man so einfach nicht fahren kann." Erst Mitte April waren in Köln zwei junge Männer zu Bewährungsstrafen verurteilt worden, die den Tod einer 19-jährigen Radfahrerin verschuldet hatten. Die Staatsanwaltschaft legte nach dem Urteil Revision ein.

Am Wochenende führte zudem ein illegales Autorennen in Hagen zu einem schweren Unfall. Ein sechsjähriger Junge schwebt nach wie vor in Lebensgefahr. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) hatte daraufhin im Gespräch mit der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" gefordert, die Fahrer müssten "die ganze Härte unserer Gesetze zu spüren bekommen".

Quietschende Reifen, Sportwagen in Schräglage

Im nun verhandelten Kölner Fall begründete Richter Roellenbleck die Strafe mit dem hohen Handlungsunrecht, das der Angeklagte begangen habe. "Über vier Minuten ist der Angeklagte durch eine hochfrequentierte Gegend, mit vielen Fußgängern und Radfahrern - also schwachen Verkehrsteilnehmern - mit stark überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen", sagte er.

Über GPS-Daten hatte ein Verkehrssachverständiger nachweisen können, dass der Angeklagte mehrmals mit mehr als Tempo 100 in der Innenstadt unterwegs war. Erlaubt sind maximal 50 Kilometer pro Stunde. Zeugen hatten im Prozess von quietschenden Reifen gesprochen und eine Schräglage des Sportwagens in Kurven geschildert.

"Sie haben sich damit bedenkenlos über die Interessen anderer Verkehrsteilnehmer hinweggesetzt", sagte Roellenbleck. Zudem bezweifelte die Strafkammer, dass der Angeklagte "echte Reue" gezeigt habe. "Es gab die Tendenz des Angeklagten, das eigene Fehlverhalten zu relativieren", heißt es in der Urteilsbegründung. Der angeklagte Autofahrer hatte am ersten Prozesstag unter anderem angegeben, zügig, aber nicht zu schnell gefahren zu sein.

Das Urteil dürfte auch bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für Erleichterung sorgen. Denn kurz vorher hatte Gewerkschaftschef Jörg Radek den "Ruhr Nachrichten" gesagt: "Jemand, der bei einem solchen Wahnsinn einen Menschen tötet, darf nicht als freier Mann mit einer Bewährungsstrafe aus dem Gerichtssaal gehen." Sonst bestehe eine noch höhere Wiederholungsgefahr.

SPIEGEL TV Magazin (13.09.2015)

apr/dpa

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