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07. Januar 2013, 21:46 Uhr

17 Jahre Haft

Mutter prügelt Sohn tot, weil er Koran nicht auswendig kann

In Großbritannien ist eine Mutter zu mindestens 17 Jahren Haft verurteilt worden: Sie wollte ihren Sohn zu einem Hafis machen - einem, der frei aus dem Koran zitieren kann. Weil er nicht schnell genug lernte, schlug sie ihn tot.

London - Weil sie ihren Sohn wegen dessen Erinnerungslücken beim Koranstudium zu Tode prügelte, ist eine Mutter in Wales zu mindestens 17 Jahren Haft verurteilt worden.

Am Tag seines Todes im Jahr 2010 habe der sieben Jahre alte Junge nicht zur Schule gehen, sondern zu Hause bleiben müssen, um Koranverse auswendig zu lernen, sagte Richter Williams am Montag bei der Urteilsbegründung. Als er dabei Schwierigkeiten hatte, "löste das die Prügelattacke aus", die schließlich zum Tod führte. Nach Berichten des "Guardian" sei der Junge unter den Schlägen kollabiert und habe noch im Sterben Verse des Koran gemurmelt.

Die 33 Jahre alte Mutter habe ihren Sohn bereits über mehrere Monate hinweg wiederholt mit einem Stock traktiert und ihm damit schwere innere Verletzungen zugefügt.

Laut "Guardian" begann das Martyrium des Sohnes, als die Eltern sich entschieden, den Siebenjährigen zu einem Hafis zu machen - einem, der den Koran auswendig kann. Sie spornten ihren Sohn mit der Aussicht auf ein neues Fahrrad an, doch als die Erfolge ausblieben, fing die Mutter an, ihren Sohn zu bestrafen.

Vor der Tat eine "sehr gute Mutter"

Sie habe ihrem Kind dadurch "anhaltender Grausamkeit" ausgesetzt und wie einen Hund behandelt, befand Richter Wyn Williams. Zugleich sagte der Richter, bis drei Monate vor der Tat sei die Frau in vieler Hinsicht eine "sehr gute Mutter" gewesen. Er verwies auch darauf, dass sie lange unter Depressionen gelitten habe. Zudem soll sie selbst Opfer häuslicher Gewalt gewesen sein.

Die Frau hatte im Juli 2010 die Tat gestanden, später das Geständnis aber mit der Begründung zurückgezogen, dass die Familie ihres Mannes sie dazu gezwungen habe. In dem Geständnis hatte sie gesagt, dass sie wiederholt vor Gott geschworen habe, ihren Sohn nicht mehr zu schlagen. Sie sei dann aber erneut von Stimmen des Teufels dazu verleitet worden.

Im Dezember wurde ihr 38-jähriger Mann vom Vorwurf freigesprochen, den Tod des Kindes nicht verhindert zu haben. Die Verurteilte wurde bereits im vergangenen Monat schuldig befunden, ihren sieben Jahre alten Sohn ermordet und dessen Leiche anschließend verbrannt zu haben, um Beweise zu vernichten.

sun/dapd/AFP

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